2276 Unternehmensinsolvenzen in einem einzigen Monat. Das ist kein Ausreißer – das ist der höchste Wert seit zwanzig Jahren, und die Zahlen für das dr
2276 Unternehmensinsolvenzen in einem einzigen Monat. Das ist kein Ausreißer – das ist der höchste Wert seit zwanzig Jahren, und die Zahlen für das dritte Quartal werden laut Experten nicht besser.
Was mich dabei weniger beschäftigt als die Zahl selbst, ist das, was hinter ihr steckt. Denn die betroffenen Branchen – Logistik, Gastgewerbe, Bau, Solarbranche, Brauereien – haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Auf den zweiten Blick doch: Sie alle wurden von mehreren Belastungen gleichzeitig getroffen, ohne dass eine davon allein das Unternehmen hätte kippen müssen.
Gestiegene Energiepreise, sinkende Margen, verändertes Konsumverhalten, Fachkräftemangel, höhere Zinsen, Preisdruck durch internationale Konkurrenz – jeder dieser Faktoren für sich genommen ist ein Problem, das viele Unternehmen in der Vergangenheit verkraftet hätten. Was diese Welle anders macht, ist die Kumulation. Mehrere dieser Belastungen treffen dieselben Unternehmen gleichzeitig, in einem wirtschaftlichen Umfeld, das wenig Spielraum für Fehler lässt.
Das ist das Muster, das mich in der aktuellen Insolvenzwelle am meisten beschäftigt – und das gleichzeitig am wenigsten diskutiert wird. Die öffentliche Debatte fragt meistens: Welche externen Faktoren haben diese Unternehmen getroffen? Die Risikomanagement-Frage wäre eine andere: Welche internen Strukturen hätten geholfen, diese Kumulation länger auszuhalten?
Liquiditätsplanung, die nicht nur die nächsten vier Wochen zeigt, sondern auch, wie sich aufeinanderfolgende Belastungen über Monate aufschichten. Ein Frühwarnsystem, das nicht erst reagiert, wenn die Zahlen kritisch sind, sondern früh genug, um noch Handlungsoptionen zu haben. Kostenstrukturen, die auch bei geringerer Auslastung nicht sofort existenzbedrohend werden. Und ein ehrlicher Blick auf die Abhängigkeiten im eigenen Geschäftsmodell – von einzelnen Kunden, Lieferanten, Märkten oder Förderprogrammen, deren Wegfall man unterschätzt hat.
Das klingt nach Selbstverständlichkeit. Aber die Zahl von 8551 Insolvenzen allein in den ersten vier Monaten des Jahres zeigt, dass es das offensichtlich nicht ist.
Die Frage, die sich jeder Geschäftsführer heute stellen sollte, ist nicht, ob ihn ein externer Schock treffen wird. Die Frage ist, wie viele gleichzeitige Schocks seine aktuelle Struktur aushält – und ob er das weiß, bevor er es herausfinden muss.