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94 Prozent. So viel der betrieblichen Probleme führt der Qualitätsexperte W. Edwards Deming auf fehlerhafte Systeme und Prozesse zurück – nicht auf einzelne Mitarbeiter. Nur 6 Prozent entstehen durch Sonderursachen: individuelle Fehler, seltene äußere Ereignisse.
Die meisten Unternehmen verhalten sich, als wäre das Verhältnis umgekehrt.
Wenn ein Fehler passiert, ist die erste Reaktion fast überall dieselbe: Wer hat das gemacht? Diese Frage fühlt sich logisch an, ist aber meistens falsch. Deming argumentierte: Ein schlechtes System schlägt einen guten Mitarbeiter jedes Mal. Wenn Standardprozesse unklar sind, die Schulung lückenhaft, die Software veraltet ist, dann produziert dieses System zuverlässig Fehler – egal wer gerade daran arbeitet. Den Mitarbeiter auszuwechseln ändert daran nichts. Das System produziert beim nächsten dieselben Fehler erneut.
Genau hier liegt die Verantwortung, die Deming explizit der Führung zuschreibt. Mitarbeiter haben selten die Befugnis, Unternehmensrichtlinien, Ausrüstung oder Arbeitsabläufe selbst zu ändern. Sie arbeiten innerhalb eines Systems, das jemand anderes gestaltet hat. Liegt die Verantwortung für die Korrektur nicht bei demjenigen, der den Fehler ausgeführt hat, sondern bei dem, der das System besitzt.
Die übrigen 6 Prozent sind etwas anderes: vereinzelte Ausnahmen außerhalb des normalen Betriebs. Ein Mitarbeiter, der krank zur Arbeit kommt. Ein plötzlicher Stromausfall. Ein seltener Maschinendefekt. Diese Fälle verdienen eine andere Behandlung – als Einzelfall, nicht als Anlass, den gesamten Prozess umzukrempeln.
Das Problem in der Praxis: Die meisten Unternehmen behandeln Systemfehler wie Einzelfälle. Ein Mitarbeiter macht einen Fehler, der durch unklare Anweisungen vorprogrammiert war – und wird zur Rechenschaft gezogen, statt dass die Anweisung selbst überarbeitet wird. Das beruhigt kurzfristig das Gefühl von Kontrolle. Es löst aber nichts. Der nächste Mitarbeiter, der in dasselbe System gerät, macht denselben Fehler.
Was das praktisch bedeutet: Bei jedem wiederkehrenden Problem lohnt sich nicht zuerst die Frage, wer es verursacht hat. Die bessere Frage lautet: Wie hat das System diesen Fehler überhaupt zugelassen? Erst danach lässt sich unterscheiden, ob es ein seltener Einzelfall ist – oder ein Muster, das auf eine strukturelle Schwäche hinweist, die nur die Führung beheben kann.
Genau das ist der Kern von Root-Cause-Analyse und strukturiertem Fehlermanagement: nicht Schuld verteilen, sondern Systeme so gestalten, dass sie auch unter normalen menschlichen Schwankungen verlässlich funktionieren.
Die Frage für jeden Geschäftsführer bei wiederkehrenden Problemen: Ist das wirklich ein Mitarbeiter, der versagt hat – oder ein System, das nie repariert wurde?