CMMI hat fünf Stufen. Die meisten Unternehmen befinden sich, ohne es zu wissen, auf Stufe eins oder zwei. Und genau das entscheidet, wie sie eine Kris
CMMI hat fünf Stufen. Die meisten Unternehmen befinden sich, ohne es zu wissen, auf Stufe eins oder zwei. Und genau das entscheidet, wie sie eine Krise erleben.
CMMI steht für Capability Maturity Model Integration – ein Reifegradmodell, ursprünglich für Softwareentwicklung entwickelt, längst aber auf jede Art von Organisation übertragbar. Die Grundidee: Wie reif sind die Prozesse eines Unternehmens wirklich? Nicht ob es Prozesse gibt, sondern wie verlässlich, wiederholbar und kontrolliert sie tatsächlich ablaufen.
Stufe eins heißt schlicht: Chaos. Es gibt keine definierten Prozesse. Jeder macht es ein bisschen anders, je nachdem wer gerade Zeit hat und wie die Stimmung ist. Erfolg hängt von einzelnen Personen ab, nicht von der Organisation.
Stufe zwei: Es gibt erste Wiederholbarkeit. Bestimmte Dinge laufen einigermaßen gleich ab, aber meistens nur, weil dieselben Menschen sie immer wieder machen – nicht weil ein dokumentierter Standard existiert.
Stufe drei: Prozesse sind definiert und dokumentiert. Sie funktionieren auch, wenn eine bestimmte Person fehlt, weil der Ablauf nicht mehr nur im Kopf eines Einzelnen existiert.
Stufe vier: Prozesse werden gemessen und gesteuert. Es gibt Kennzahlen, die zeigen, ob etwas tatsächlich funktioniert oder nur gut aussieht.
Stufe fünf: Kontinuierliche Verbesserung ist Teil des Systems selbst. Das Unternehmen lernt aus jedem Vorfall systematisch, nicht zufällig.
Was hat das mit Krisenfestigkeit zu tun? Praktisch alles.
Ein Unternehmen auf Stufe eins oder zwei erlebt jede Krise wie eine völlig neue Erfahrung – weil es keine verlässlichen Abläufe gibt, auf die man sich stützen kann. Jede Reaktion wird improvisiert, jedes Mal von vorne. Ein Unternehmen auf Stufe drei oder höher hat in der Krise einen entscheidenden Vorteil: Es muss nicht erst herausfinden, wie es funktionieren soll. Es weiß es bereits, weil der Ablauf vorher definiert, getestet und dokumentiert wurde.
Der eigentliche Wert von CMMI liegt nicht in der Zertifizierung oder dem Modell selbst. Er liegt in der ehrlichen Selbsteinschätzung, die es erzwingt: Funktionieren unsere Prozesse, weil sie gut aufgebaut sind – oder weil bestimmte Menschen sie zufällig gut im Griff haben? Diese Frage entscheidet, ob ein Unternehmen eine Krise strukturiert übersteht oder bei jedem Vorfall wieder bei null anfängt.
Man muss kein offizielles CMMI-Assessment durchführen, um von diesem Denken zu profitieren. Es reicht, die eigene Organisation ehrlich auf einer dieser fünf Stufen einzuordnen – und sich zu fragen, ob das die Reife ist, mit der man durch die nächste Krise gehen will.