Dafür sind wir alle zuständig bedeutet niemand ist zuständig. Das ist keine Meinung. Das ist Psychologie.
Dafür sind wir alle zuständig bedeutet niemand ist zuständig.
Das ist keine Meinung. Das ist Psychologie.
Der Mechanismus hat einen Namen. Verantwortungsdiffusion. Je mehr Menschen für eine Aufgabe zuständig sind desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit dass einer von ihnen handelt. Nicht weil alle gleichgültig wären. Sondern weil jeder davon ausgeht dass jemand anderes es übernimmt. Das Ergebnis ist dasselbe wie wenn niemand zuständig wäre – nur mit dem Unterschied dass auf dem Papier viele Namen stehen.
In der Praxis sieht das so aus. Das Risiko ist bekannt. Es wurde besprochen. Alle haben genickt. Und drei Monate später ist nichts passiert. Nicht weil jemand es vergessen hätte. Sondern weil niemand sich als die Person gesehen hat die jetzt handeln muss.
Das ist kein Charakterfehler. Es ist ein Strukturfehler.
Verantwortungsdiffusion entsteht nicht durch böse Absicht. Sie entsteht durch unklare Zuständigkeit. Und sie ist in Organisationen so verbreitet weil kollektive Zuständigkeit sich nach Einbeziehung anfühlt – nach guter Führung, nach Teamarbeit, nach gemeinsamer Verantwortung. Was sie tatsächlich produziert ist das Gegenteil. Keine Verantwortung. Bei niemandem.
Die Lösung ist nicht kompliziert. Eine Aufgabe. Eine Person. Eine Frist. Das ist keine Managementweisheit. Das ist die strukturelle Antwort auf einen psychologischen Mechanismus der sich sonst selbst erfüllt.
Wer das nächste Mal in einem Meeting hört dafür sind wir alle zuständig sollte eine Frage stellen: Wer konkret tut was bis wann?
Die Antwort auf diese Frage entscheidet ob etwas passiert.
Darauf ein Käffchen.