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Das Ego als Risikofaktor

Das Ego als Risikofaktor
Die meisten Unternehmen geraten nicht in Schieflage, weil die Zahlen schlecht sind. Sondern weil jemand zu lange so tut, als wären sie es nicht.
Ich habe in Krisengesprächen selten Unternehmer erlebt, die das Problem nicht kannten. Sie kannten es meistens sehr genau, oft seit Monaten. Was fehlte, war nicht die Information, sondern der Moment, in dem jemand laut sagt: Ich komme hier allein nicht mehr weiter.
Dieser Satz ist für viele Inhaber schwerer als jede Bilanz. Er fühlt sich an wie ein Eingeständnis, ausgerechnet vor den Menschen, denen man jahrelang Sicherheit vermittelt hat: der Bank, dem Team, der Familie, manchmal auch dem eigenen Vater, der das Unternehmen aufgebaut hat. Also wird weitergemacht, noch ein Quartal, noch ein Großauftrag, noch eine Nacht mit der Tabelle. Das Ego nennt das Durchhaltevermögen. Der Kalender nennt es verlorene Zeit.
Genau diese Zeit ist in einer Krise das Wertvollste, was ein Unternehmen hat. Wer früh Hilfe holt, kann noch wählen, mit wem er spricht, welche Optionen er prüft und in welcher Reihenfolge er handelt. Wer spät kommt, bekommt die Optionen, die dann noch übrig sind. Und das sind erfahrungsgemäß nicht die angenehmen.
Am Berg ist das längst klar. Ein Bergführer, der bei aufziehendem Gewitter umkehrt, gilt als erfahren, nicht als gescheitert. Im Unternehmen gilt dasselbe Verhalten oft noch als Schwäche. Dabei ist es das Gegenteil: Wer rechtzeitig um Rat fragt, behält die Kontrolle, statt sie später abgeben zu müssen.
Stärke zeigt sich deshalb nicht darin, alles allein zu lösen. Sie zeigt sich darin, früh genug zu wissen, wann man es nicht mehr allein lösen sollte.
Wenn Sie mehr zum Thema Unternehmer-Resilienz wissen möchten – kurze DM genügt.
Darauf ein Käffchen.
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