Das Signal kommt an. Es wird verstanden. Und niemand leitet es weiter.
Das Signal kommt an. Es wird verstanden. Und niemand leitet es weiter.
Nicht weil niemand es gesehen hätte. Nicht weil niemand die Tragweite verstanden hätte. Sondern weil Eskalation Aufmerksamkeit bedeutet – und Aufmerksamkeit Konsequenzen.
Ich nenne das Eskalationsvermeidung.
Der Mechanismus ist menschlich und deshalb so schwer zu bekämpfen. Wer ein Problem eskaliert gibt damit implizit zu dass er es nicht alleine lösen konnte oder wollte. Das fühlt sich nach Schwäche an. Nach dem Eingeständnis dass etwas außer Kontrolle geraten ist. In Organisationen die Fehlervermeidung über Transparenz stellen ist Eskalation deshalb keine neutrale Handlung. Sie ist ein Risiko – für denjenigen der eskaliert.
Also eskaliert niemand. Das Signal bleibt wo es ist. Das Problem wächst unbemerkt weiter.
Was dabei entsteht ist nicht Schweigen aus Gleichgültigkeit. Es ist Schweigen aus rationaler Kalkulation. Wer gelernt hat dass Eskalation Aufmerksamkeit erzeugt und Aufmerksamkeit Konsequenzen – nicht für das Problem sondern für den der es meldet – hat jeden Anreiz das Signal bei sich zu behalten.
Das ist kein individuelles Versagen. Es ist ein Systemergebnis. Und es ist eines der zuverlässigsten Muster das ich in der Beratung beobachte.
Für Führungskräfte hat das eine direkte Konsequenz. Wer nie schlechte Nachrichten bekommt hat kein Informationsproblem. Er hat eine Kultur produziert in der schlechte Nachrichten nicht überleben. Und er trifft seine Entscheidungen auf Basis eines Bildes das jemand für ihn gefiltert hat.
§1 StaRUG setzt voraus dass bestandsgefährdende Entwicklungen rechtzeitig nach oben gemeldet werden. Das funktioniert nur in einer Kultur in der Eskalation keine Konsequenzen für den hat der eskaliert. Sondern Konsequenzen für das Problem das eskaliert wird.
Die Frage die jede Führungskraft sich stellen sollte: Was passiert in meiner Organisation wenn jemand ein ernstes Problem nach oben meldet?
Wenn die Antwort zögert ist das die Antwort.
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