Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Nicht weil er viel Kraft kostet. Sondern weil er sich falsch anfühlt.
Weniger ist mehr. Jeder nickt. Niemand macht es.
Das ist keine Kritik. Es ist eine Beobachtung die ich über mich selbst genauso machen muss wie über andere. Denn das Problem ist nicht dass wir die Weisheit nicht kennen. Das Problem ist dass sie sich falsch anfühlt wenn man sie anwendet.
Hinzufügen fühlt sich nach Fortschritt an. Eine neue Initiative. Ein neues Projekt. Ein neues Tool. Ein neues Ziel. Jedes Mal wenn etwas dazukommt passiert etwas. Es gibt Bewegung. Aktivität. Das Gefühl dass man vorankommt.
Weglassen fühlt sich nach Aufgeben an. Nach Rückschritt. Nach einer Niederlage die man sich eingestehen muss. Wer drei Projekte auf eines reduziert hat nicht fokussiert – er hat zwei fallen gelassen. Wer eine Initiative streicht hat nicht priorisiert – er hat versagt.
Das ist die Falle. Und sie ist psychologisch so tief verwurzelt dass kein Zitat und kein Vortrag sie aufhebt.
Was sie aufhebt ist eine andere Erfahrung. Die Erfahrung dass eine Sache die wirklich fertig wird sich anders anfühlt als vier Dinge die gleichzeitig laufen. Dass ein Vorhaben das die volle Aufmerksamkeit bekommt ein anderes Ergebnis produziert als fünf die sich dieselbe Erde teilen. Dass Weglassen nicht Aufgeben ist sondern die Voraussetzung dafür dass das eine Richtige wirklich trägt.
Das lässt sich nicht erklären. Es muss erlebt werden.
Deshalb ist die einzige Antwort auf die Frage warum niemand weniger macht obwohl alle wissen dass es besser wäre: Weil die meisten es noch nicht erlebt haben. Noch nicht gespürt haben was passiert wenn man aufhört zu streuen und anfängt zu fokussieren.
Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Nicht weil er viel Kraft kostet. Sondern weil er sich falsch anfühlt.