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Der gefährlichste Satz lautet: Ich glaube das haben wir geregelt.

Der gefährlichste Satz lautet: Ich glaube das haben wir geregelt.
In der Beratung gibt es einen Satz der mich mehr beschäftigt als jeder andere. Nicht: Wir haben das nicht im Griff. Nicht: Ich weiß es nicht. Nicht: Das haben wir nie gemacht. Diese Sätze sind ehrlich. Mit Ehrlichkeit kann man arbeiten. Der gefährlichste Satz lautet: Ich glaube das haben wir geregelt. Er klingt nach Kontrolle. Er fühlt sich nach Vorbereitung an. Und er ist fast immer der Moment in dem jemand aufgehört hat genau hinzuschauen – weil das Gefühl von Erledigung die Notwendigkeit von Gewissheit ersetzt hat. Ich glaube das haben wir geregelt bedeutet meistens: Jemand hat sich irgendwann darum gekümmert. Es wurde besprochen. Es steht irgendwo. Und seitdem hat niemand mehr nachgeschaut ob es noch stimmt, noch gilt, noch greift wenn es gebraucht wird. Die Vollmacht die vor drei Jahren ausgestellt wurde – für eine Situation die heute anders aussieht. Der Stellvertreter der nominiert wurde aber nie wirklich eingewiesen. Das Backup das läuft aber nie wiederhergestellt wurde. Der Notfallplan der existiert aber den niemand mehr kennt. Ich glaube das haben wir geregelt. Was mich an diesem Satz beschäftigt ist nicht die Unwahrheit darin. Es ist die Überzeugung. Wer sagt ich weiß es nicht sucht nach einer Antwort. Wer sagt ich glaube das haben wir geregelt hat aufgehört zu suchen. Und genau deshalb ist dieser Satz so teuer. In meiner Arbeit ist er ein Signal. Nicht für Versagen. Für einen blinden Fleck der so lange unsichtbar bleibt bis jemand konkret fragt. Genau das ist mein Job. Wer wissen möchte wie viele seiner geregelten Dinge wirklich geregelt sind – kurze DM genügt.
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