Der KGB hat in den 1970er Jahren Schreibmaschinen verwanzt, um herauszufinden, was amerikanische Diplomaten tippten. Heute reicht eine infizierte E-Ma
Der KGB hat in den 1970er Jahren Schreibmaschinen verwanzt, um herauszufinden, was amerikanische Diplomaten tippten. Heute reicht eine infizierte E-Mail, um dasselbe Prinzip auf jedem Computer im Unternehmen zu installieren.
Keylogger sind eine der ältesten Formen von Schadsoftware – und trotzdem in den meisten KMU-Sicherheitskonzepten kaum mitgedacht. Das Prinzip ist denkbar einfach: Software, die jeden Tastaturanschlag aufzeichnet und an einen Dritten weiterleitet. Passwörter, Bankdaten, interne Geschäftsinformationen – alles, was getippt wird, landet bei jemandem, der es nicht sehen sollte.
Das eigentlich Gefährliche an Keyloggern ist nicht die Technik selbst. Es ist ihre Unauffälligkeit. Anders als ein Ransomware-Angriff, der sofort sichtbar wird, weil Systeme verschlüsselt sind, arbeitet ein Keylogger lautlos im Hintergrund. Niemand merkt etwas. Der Computer funktioniert normal. E-Mails werden verschickt, Rechnungen bearbeitet, Kundendaten eingegeben – während im Hintergrund jeder einzelne Tastendruck mitgeschnitten wird.
Besonders kritisch wird es, wenn ein Keylogger nicht bei einem normalen Mitarbeiter landet, sondern bei jemandem mit privilegiertem Zugriff – einem Systemadministrator, einer Person in der Buchhaltung, der Geschäftsführung selbst. Wer die Tastatureingaben eines Datenbankadministrators mitliest, bekommt nicht nur ein Passwort. Er bekommt potenziell Zugang zu kompletten Systemen, Servern und allem, was darauf gespeichert ist.
Wie gelangt ein Keylogger überhaupt ins Unternehmen? Die häufigsten Wege sind erschreckend alltäglich: eine Phishing-Mail mit infiziertem Word-Dokument. Eine kompromittierte Webseite, die unbemerkt Schadsoftware ausliefert. Ein infizierter USB-Stick, der irgendwo gefunden und arglos eingesteckt wird. Keine davon erfordert technisches Geschick beim Opfer – nur einen unaufmerksamen Moment.
Was viele Unternehmen nicht wissen: Es gibt auch hardwarebasierte Keylogger, kleine physische Geräte, die einfach zwischen Tastatur und Computer gesteckt werden. Kein Software-Scan findet sie, weil sie gar keine Software sind. Wer Zugang zu einem Büro hat – ein Besucher, ein externer Dienstleister, ein unzufriedener ehemaliger Mitarbeiter – kann ein solches Gerät in Sekunden anbringen.
Der Schutz davor ist nicht kompliziert, aber er muss bewusst aufgebaut werden: Mehrfaktor-Authentifizierung für alle Unternehmenskonten, damit ein abgegriffenes Passwort allein nicht reicht. Aktuelle Sicherheitssoftware, die bekannte Keylogger-Muster erkennt. Deaktivierte Autostart-Funktionen für USB-Geräte. Und vor allem: ein geschultes Bewusstsein dafür, dass auch physischer Zugang zu Geräten ein Sicherheitsrisiko ist, nicht nur Netzwerkangriffe von außen.
Ein Keylogger ist kein exotisches Risiko für Großkonzerne. Es ist eines der ältesten, einfachsten und gerade deshalb am leichtesten übersehenen Einfallstore in jedes Unternehmen, das Tastaturen benutzt – also in praktisch jedes.