Der Urlaubstest vor Weihnachten
In gut sieben Wochen ist Weihnachten. Die meisten Unternehmer haben sich fest vorgenommen, zwischen den Jahren abzuschalten, und packen das Diensthandy trotzdem ein. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil sie genau wissen, was sonst passiert.
Dabei ist formal alles geregelt. Die Vertretung steht im Kalender, die Abwesenheitsnotiz ist geschrieben, das Team ist informiert. Am zweiten Tag kommt trotzdem der erste Anruf, weil eine Freigabe hängt. Am dritten fehlt ein Passwort, und am vierten möchte ein wichtiger Kunde „nur ganz kurz“ mit Ihnen persönlich sprechen. Urlaub mit Empfang, sozusagen.
Der gestörte Urlaub ist dabei das kleinere Problem. Das größere ist, was er Ihnen zeigt. Ein geplanter Urlaub ist der freundlichste Ausfall, den es gibt: angekündigt, begrenzt, und im Zweifel sind Sie erreichbar. Wenn Ihr Unternehmen schon das nicht ohne Sie schafft, schafft es auch keine acht Wochen, in denen Sie nach einem Unfall niemand mehr anrufen kann.
Deshalb schlage ich Ihnen einen Test vor, für den Sie nicht verreisen müssen. Nehmen Sie sich eine Arbeitswoche vor, in der Sie sich bewusst heraushalten. Landet etwas bei Ihnen, fragen Sie zuerst: Wer müsste das klären, wenn ich nicht da wäre? Gibt es darauf eine Antwort, geben Sie den Vorgang genau dorthin ab. Gibt es keine, erledigen Sie ihn selbst und schreiben ihn auf.
Am Ende der Woche haben Sie eine Liste. Darauf stehen Freigaben, für die sonst niemand befugt ist, Zugänge, die nur Sie kennen, Kunden, die nur mit Ihnen sprechen, und Entscheidungen, deren Grenzen nie jemand festgelegt hat. Diese Liste beweist nicht, dass Sie unersetzlich sind. Sie ist das Inhaltsverzeichnis für den Notfall-Ordner Ihres Unternehmens.
Jeder Punkt darauf braucht drei Antworten: Wer übernimmt das, was darf diese Person entscheiden, und wo findet sie, was sie dafür braucht? Wer die wichtigsten Punkte bis Mitte Dezember geklärt hat, geht nicht mit einem Vertrauensvorschuss in den Weihnachtsurlaub, sondern in eine Generalprobe.
Rechnen Sie damit, dass die Liste länger wird, als Ihnen lieb ist. Das ist kein schlechtes Zeichen, sondern vermutlich das ehrlichste Ergebnis, das Sie in diesem Jahr über Ihr Unternehmen bekommen.
Wie lang wäre Ihre Liste? Schreiben Sie es gern in die Kommentare oder schicken Sie mir eine Nachricht.