Die meisten Unternehmen bauen ihre Krisenfestigkeit genau dann auf, wenn sie sie eigentlich schon gebraucht hätten.
Die meisten Unternehmen bauen ihre Krisenfestigkeit genau dann auf, wenn sie sie eigentlich schon gebraucht hätten.
Die Krise passiert. Der Notfallplan wird hastig zusammengeschrieben. Die Vertretungsregelung wird unter Zeitdruck aufgesetzt. Das Frühwarnsystem wird eingeführt, nachdem das erste Warnsignal längst übersehen wurde. Alles, was jetzt entsteht, ist im Grunde richtig – nur zwei Jahre zu spät, und unter Bedingungen, unter denen Strukturen schlecht entstehen: hektisch, lückenhaft, ohne den Test, ob sie überhaupt funktionieren.
Das ist der eigentliche Skandal an Krisenfestigkeit: Sie lässt sich unter Druck nur schlecht improvisieren. Wer erst während des Sturms anfängt, das Dach zu reparieren, schafft vielleicht noch eine notdürftige Lösung – aber keine, die dem nächsten Sturm standhält.
Drei Dinge entscheiden, ob ein Unternehmen eine Krise gut übersteht oder daran zerbricht. Und alle drei lassen sich vorher deutlich besser aufbauen als währenddessen.
Klarheit: Wer entscheidet was, wenn die Geschäftsführung ausfällt? Die meisten Unternehmer können diese Frage nicht in zehn Sekunden beantworten. Das ist keine Petitesse. Das ist der Unterschied zwischen einem Unternehmen, das in der Krise handelt, und einem, das in der Krise erst diskutiert, wer überhaupt handeln darf.
Aktualität: Eine Vertretungsregelung, die seit drei Jahren nicht aktualisiert wurde, weil der Vertreter inzwischen das Unternehmen verlassen hat, ist keine Vertretungsregelung. Sie ist ein Dokument, das Sicherheit suggeriert, ohne sie zu liefern. Aktualität heißt nicht, einmal etwas aufzuschreiben. Es heißt, dass es noch stimmt, wenn man es braucht.
Vertrauen: Wenn ein Mitarbeiter einen Fehler entdeckt und die erste Reaktion in der Vergangenheit Vorwürfe waren, wird der nächste Fehler nicht gemeldet. Er wird versteckt – genau in dem Moment, in dem frühe Information am wertvollsten wäre. Am Tag des Vorfalls ist es für Vertrauen zu spät. Es ist entweder schon da, weil es Monate vorher aufgebaut wurde, oder es fehlt – und genau dann zeigt sich der Unterschied.
Das eigentliche Problem ist nicht, dass Unternehmen diese drei Dinge nicht kennen. Es ist, dass sie sich erst dann dafür Zeit nehmen, wenn die Zeit dafür schon abgelaufen ist. Solange alles läuft, fühlt sich Vorsorge wie verschwendete Energie an. Genau in diesem Moment der Selbstzufriedenheit entscheidet sich, wie die nächste Krise verläuft.
Wer wartet, bis die Krise da ist, um mit dem Aufbau zu beginnen, baut nicht Krisenfestigkeit. Er dokumentiert nur, wie unvorbereitet er war.