Ein Elektriker, der eine Leitung anfasst ohne vorher mit dem Phasenprüfer zu checken, ob Strom drauf ist, macht das genau einmal in seinem Leben so. D
Ein Elektriker, der eine Leitung anfasst ohne vorher mit dem Phasenprüfer zu checken, ob Strom drauf ist, macht das genau einmal in seinem Leben so. Danach nie wieder.
Der Phasenprüfer zeigt etwas, das man mit dem Auge nicht sehen kann – eine Gefahr, die unsichtbar ist, bis sie einen trifft. Genau das macht ein Frühwarnsystem nach StaRUG für die Finanzen eines Unternehmens. Und trotzdem sagen die meisten Geschäftsführer dazu: brauch ich nicht.
StaRUG wird in den meisten Köpfen auf zwei Dinge reduziert (wenn man es überhaupt kennt): eine gesetzliche Pflicht zur Krisenfrüherkennung, und ein Sanierungsverfahren für Unternehmen, die schon in Schwierigkeiten stecken. Beides stimmt. Beides ist aber nur die halbe Geschichte – und die unattraktivere Hälfte.
Was StaRUG tatsächlich verlangt: ein funktionierendes Frühwarnsystem für bestandsgefährdende Risiken, inklusive einer Liquiditätsplanung über zwölf bis vierundzwanzig Monate. Das klingt nach Pflichtübung. Es ist aber im Kern dasselbe Prinzip wie der Phasenprüfer – eine kurze, regelmäßige Prüfung, die zeigt, ob gerade eine unsichtbare Gefahr anliegt, bevor man sie ungeschützt berührt.
Ein Unternehmen, das systematisch beobachtet, ob ein Hauptkunde intern auf Sparkurs geht, sieht die Kündigung kommen, bevor sie passiert. Ein Unternehmen mit rollierender Liquiditätsplanung sieht einen Engpass drei Monate vorher – genug Zeit für eine Kreditlinie, einen Zahlungsaufschub, eine frühere Rechnung. Wer das erst drei Tage vorher merkt, hat keine Optionen mehr. Nur noch Krisentelefonate.
Der Elektriker, der den Phasenprüfer ablehnt, weil er "eigentlich sicher ist, dass der Strom abgeschaltet wurde", verzichtet nicht auf Bürokratie. Er verzichtet auf den letzten Check, der zwischen Routine und Katastrophe steht. Genau das tun Geschäftsführer, die StaRUG als lästige Pflicht abtun, statt als das Werkzeug zu nutzen, das es eigentlich ist.
Warum ignorieren es trotzdem so viele? Weil es als Gesetzestext verkauft wurde, nicht als Werkzeug. Weil die persönliche Haftung der Geschäftsführung – die bei Versäumnissen sehr real ist – als abstrakte Drohung wahrgenommen wird, nicht als Grund, etwas aufzubauen, das ohnehin sinnvoll wäre. Und weil "wir schauen einmal im Monat ins Bankkonto" sich nach ausreichender Kontrolle anfühlt – bis der Engpass da ist und für eine Reaktion keine Zeit mehr bleibt.
Niemand würde einem Elektriker vorwerfen, vorsichtig zu sein. Aber viele Geschäftsführer empfinden genau diese Vorsicht bei den eigenen Finanzen als überflüssig – bis der Strom, den sie übersehen haben, tatsächlich da war.
Wer wissen will, wie ein StaRUG-konformes Frühwarnsystem aussieht, das tatsächlich genutzt wird, statt nur in der Schublade zu liegen – schreib mir eine DM.