Ein Risiko das niemand benennt wird nicht kleiner. Es wächst. Leise. Unsichtbar.
Ein Risiko das niemand benennt wird nicht kleiner.
Es wächst. Leise. Unsichtbar. Und meistens genau dort wo alle dachten dass es geregelt ist.
Das ist das Muster das ich in der Beratung am häufigsten antreffe. Nicht das offensichtliche Risiko das jeder sieht und das deshalb irgendwann angegangen wird. Das Risiko das niemand ausspricht weil es unangenehm ist es auszusprechen. Weil die Antwort Arbeit bedeutet. Weil die Frage impliziert dass bisher etwas gefehlt hat.
Und so bleibt es im Raum. Unbenannt. Und damit unsichtbar für alle die etwas dagegen tun könnten.
Es gibt drei Mechanismen die dafür sorgen dass Risiken unbenannt bleiben. Der erste ist Komfort. Wer ein Risiko benennt übernimmt implizit Verantwortung dafür dass es adressiert wird. Wer schweigt bleibt außen vor. Das ist menschlich verständlich. Und organisatorisch gefährlich. Der zweite ist Hierarchie. In vielen Unternehmen gibt es eine unausgesprochene Regel dass schlechte Nachrichten nach oben gefiltert werden. Was oben ankommt ist meistens besser als die Realität. Was das für §1 StaRUG bedeutet – die gesetzliche Pflicht zur Krisenfrüherkennung – ist klar. Der dritte ist falsche Gewissheit. Man hat darüber gesprochen. Vor zwei Jahren. In einem Meeting das niemand mehr genau erinnert. Das Risiko gilt als bekannt und damit als irgendwie adressiert. Es ist es nicht.
Was hilft ist keine Risikoliste die einmal im Jahr abgearbeitet wird. Was hilft ist eine Kultur in der Risiken benannt werden dürfen ohne dass der Überbringer die Konsequenzen trägt. Und eine Struktur die sicherstellt dass benannte Risiken auch tatsächlich bearbeitet werden.
Die Frage die ich stelle ist einfach: Welches Risiko in Ihrem Unternehmen kennen alle aber spricht niemand aus?
Die Antwort auf diese Frage ist meistens das wichtigste Gespräch das in den nächsten dreißig Tagen geführt werden sollte.
Darauf ein Käffchen.