Ein Zugangssystem ist nur dann gut wenn es zwei Anforderungen gleichzeitig erfüllt. Es verhindert Missbrauch im Alltag. Und es funktioniert im Ernstfa
Passwörter gehören weder auf einen Zettel noch offen in den Notfall-Ordner.
Das ist keine Meinung. Das ist der erste Grundsatz jeder ernsthaften Zugangssicherung.
Und gleichzeitig entsteht damit ein Problem das die meisten ignorieren weil es unbequem ist.
Wenn jemand ausfällt – der Unternehmer, die Geschäftsführerin, die einzige Person die alle Zugänge kennt – muss jemand anderes handeln können. Schnell. Ohne Rückfragen. Ohne Verzögerung. Wer in diesem Moment keinen Zugang zu kritischen Systemen hat kann nicht helfen. Egal wie viel Vollmacht er hat. Egal wie gut der Notfall-Ordner sonst aufgestellt ist.
Das ist der Zielkonflikt. Passwörter offen zu hinterlegen ist ein Sicherheitsrisiko. Sie gar nicht zu hinterlegen ist ein Resilienzrisiko. Beides hat Konsequenzen. Und die meisten Lösungen die ich in der Praxis sehe lösen einen der beiden Seiten – und ignorieren die andere vollständig.
Was funktioniert ist kein Kompromiss. Es ist eine Struktur.
Der erste Ansatz ist ein Passwortmanager. Die Zugangsdaten liegen sicher verschlüsselt. Im Notfall-Ordner steht nicht das Passwort – sondern der Hinweis auf den Passwortmanager, welcher verwendet wird, und wie der Masterkey gesichert ist. Der Masterkey selbst liegt getrennt – zum Beispiel in einem verschlossenen Umschlag bei einer Vertrauensperson oder in einem Bankschließfach.
Der zweite Ansatz sind getrennt verwahrte Notfallcodes. Viele Dienste bieten einmalige Wiederherstellungscodes an. Diese können ausgedruckt und getrennt vom restlichen Notfall-Ordner sicher verwahrt werden – physisch, nicht digital, und an einem Ort der dokumentiert ist ohne den Code selbst preiszugeben.
Der dritte Ansatz ist eine definierte Vertrauensperson mit strukturiertem Zugang. Nicht jeder muss alle Passwörter kennen. Aber es muss eine Person geben die im Ernstfall den Weg zu den Zugängen kennt – und die Befugnis hat diesen Weg zu gehen.
Ein Zugangssystem ist nur dann gut wenn es zwei Anforderungen gleichzeitig erfüllt. Es verhindert Missbrauch im Alltag. Und es funktioniert im Ernstfall.
Wer nur eine dieser Anforderungen erfüllt hat kein Zugangssystem. Er hat entweder ein Sicherheitsrisiko oder ein Resilienzrisiko. Meistens weiß er nicht welches.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht: Wie sichere ich meine Passwörter? Sondern: Wie kommt die richtige Person im Ernstfall an die richtigen Zugänge – ohne dass jemand anderes das missbrauchen kann?
Wenn Sie mehr zum Thema Unternehmer-Resilienz wissen möchten – kurze DM genügt.