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Erst als sie fehlte verstand das Unternehmen was sie geleistet hatte.

Erst als sie fehlte verstand das Unternehmen was sie geleistet hatte.
Ich habe mal eine Führungskraft erlebt die niemand für besonders hielt. Kein charismatischer Auftritt in Meetings. Keine großen Motivationsreden. Kein Management-Vokabular das nach Führungskräfteentwicklungsseminar klingt. Sie war einfach da. Hat Fragen gestellt. Hat zugehört. Hat Dinge früh angesprochen die andere erst später gesehen haben. Hat Entscheidungen getroffen die im Moment unpopulär waren und sich sechs Monate später als richtig herausstellten. Das Team lief. Ruhig, stabil, produktiv. Konflikte entstanden kaum – und wenn, wurden sie gelöst bevor sie jemanden über die Abteilungsgrenze hinaus beschäftigt haben. Mitarbeiter blieben. Projekte liefen durch. Niemand fragte warum. Dann ging sie. Was danach passierte war lehrreich. Nicht weil alles sofort zusammenbrach – das tut es meistens nicht. Sondern weil langsam sichtbar wurde was vorher unsichtbar war. Ein Konflikt der schon lange schwelte – und jetzt zum ersten Mal niemanden hatte der ihn entschärfte. Ein Mitarbeiter der unzufrieden wurde – und diesmal bemerkte es niemand früh genug. Eine Entscheidung die niemand treffen wollte weil niemand mehr die Orientierung gab in welche Richtung es gehen soll.
Erst als sie fehlte verstand das Unternehmen was sie geleistet hatte. Das ist das Grundproblem guter Führung: Sie ist am wirksamsten wenn sie am wenigsten auffällt. Wer keine Probleme sieht die eskalieren, glaubt meistens die Führung läuft von selbst. Meistens läuft sie weil jemand dafür sorgt dass es so aussieht. Und genau diese Führungskräfte sind die ersten deren Entwicklungsbudget gekürzt wird wenn es eng wird. Weil niemand ihren Beitrag in einer Zahl ausdrücken kann. Bis sie gehen. Dann kann es jeder sehen.
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