Es gibt eine Eigenschaft die in Führungskräften oft als Stärke gefeiert wird und die tatsächlich eine strukturelle Schwäche ist.
Es gibt eine Eigenschaft die in Führungskräften oft als Stärke gefeiert wird und die tatsächlich eine strukturelle Schwäche ist.
Die Unfähigkeit Nein zu sagen.
Nicht weil diese Menschen faul wären oder gleichgültig. Sondern weil das Gegenteil der Fall ist. Wer nie Nein sagt tut es meistens aus Verantwortungsgefühl. Aus dem Wunsch zu helfen. Aus der Überzeugung dass man es selbst am besten erledigt. Und aus dem Gefühl dass Nein sagen bedeutet jemanden zu enttäuschen der auf einen zählt.
Das ist die Falle. Denn wer nie Nein sagt übernimmt irgendwann mehr als er tragen kann.
Im Alltag bleibt das lange unsichtbar. Die Führungskraft funktioniert. Sie liefert. Sie ist zuverlässig. Aber unter der Oberfläche entsteht etwas das die Resilienz des gesamten Systems schwächt: Alle wichtigen Entscheidungen laufen durch eine Person. Alle kritischen Informationen liegen bei einer Person. Alle Ausnahmen und Sonderfälle landen bei einer Person. Kein Backup. Keine Vertretung. Kein Puffer.
Das ist kein Engagement. Das ist ein Single Point of Failure mit Berufsbezeichnung.
Wenn diese Person ausfällt – durch Krankheit, durch Überlastung, durch Urlaub – bricht das System zusammen das sie aufgebaut hat. Nicht weil sie schlechte Arbeit geleistet hat. Sondern weil sie nie aufgehört hat alles selbst zu machen.
Nein sagen ist keine Absage. Es ist eine Entscheidung über Prioritäten. Wer nie Nein sagt hat keine Prioritäten – er hat nur Zusagen. Und Zusagen ohne Prioritäten sind Versprechen die irgendwann brechen. Meistens dann wenn es am ungünstigsten ist.
Die Frage die ich Führungskräften regelmäßig stelle ist diese: Was würde in Ihrem Unternehmen passieren wenn Sie morgen für drei Wochen nicht erreichbar wären?
Wer diese Frage ruhig beantworten kann hat ein resilientes System aufgebaut. Wer bei der Vorstellung Unbehagen spürt hat einen Single Point of Failure identifiziert. Sich selbst.