Es gibt eine Haltung die sich als Realismus tarnt und in Wirklichkeit Lähmung ist. Ich nenne das präventiven Pessimismus.
Es gibt eine Haltung die sich als Realismus tarnt und in Wirklichkeit Lähmung ist.
Ich nenne das präventiven Pessimismus.
Das Muster: Maßnahmen werden nicht ergriffen weil man ohnehin nicht glaubt dass sie etwas ändern würden. Kein Notfallplan weil im Ernstfall sowieso alles anders kommt. Keine Stellvertreterregelung weil die Mitarbeiter es eh nicht hinbekommen würden. Keine Dokumentation weil sich niemand daran halten würde. Kein Backup-Test weil er wahrscheinlich sowieso nicht funktioniert.
Das klingt nach Erfahrung. Es ist ein Denkfehler.
Wer nie vorbereitet wird nie wissen ob es geholfen hätte. Er wird nur wissen dass es schiefgegangen ist.
Das ist die Selbsterfüllung. Nicht weil die Haltung richtig war. Sondern weil sie zur einzigen möglichen Wahrheit geführt hat.
Der Unterschied zwischen präventivem Pessimismus und echtem Realismus ist kleiner als er aussieht – und entscheidender als er wirkt. Echter Realismus sieht Risiken und handelt trotzdem. Er akzeptiert dass Vorbereitung keine Garantie ist. Aber er akzeptiert nicht dass fehlende Vorbereitung die bessere Alternative wäre.
Präventiver Pessimismus sieht Risiken und nutzt sie als Begründung nicht zu handeln. Er nennt das Nüchternheit. Es ist Lähmung.
Besonders gefährlich wird es wenn präventiver Pessimismus Kultur wird. Wenn eine ganze Organisation aufgehört hat zu glauben dass Vorbereitung etwas ändert. Wenn niemand mehr einen Notfallplan ernst nimmt weil alle wissen dass er im Ernstfall nicht funktioniert – obwohl ihn niemand je getestet hat. Wenn die kollektive Überzeugung dass es sowieso nichts bringt genau das produziert was sie befürchtet.
In meiner Beratung erkenne ich präventiven Pessimismus an einem Satz: Das haben wir schon mal versucht.
Meistens stimmt das. Meistens hat es nicht funktioniert. Und meistens war der Grund dafür nicht dass Vorbereitung grundsätzlich sinnlos ist – sondern dass die konkrete Maßnahme nicht zu Ende gedacht wurde. Nicht getestet. Nicht eingeübt. Nicht mit echten Befugnissen hinterlegt.
Präventiver Pessimismus ist keine Erkenntnis. Er ist eine Schlussfolgerung aus unvollständiger Vorbereitung die als Beweis gegen jede Vorbereitung verwendet wird.
Das ist der Denkfehler. Und er lässt sich korrigieren.
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