Früher wusste ein Geschäftsführer was eine Krise ist. Ein Brand in der Produktionshalle. Ein Hochwasser das den Zugang zum Betrieb blockiert.
Früher wusste ein Geschäftsführer was eine Krise ist. Ein Brand in der Produktionshalle. Ein Hochwasser das den Zugang zum Betrieb blockiert. Ein Lieferant der ausfällt. Ein Lkw der nicht ankommt. Diese Krisen hatten etwas gemeinsam: Man sah sie. Man konnte auf sie zeigen. Und man wusste in den meisten Fällen was zu tun ist.
Die nächste Krise wird anders aussehen.
Sie kommt nicht durch ein Naturereignis und nicht durch einen Lieferengpass. Sie kommt um drei Uhr morgens als Ransomware-Angriff der die gesamte IT-Infrastruktur verschlüsselt. Sie kommt als regulatorische Anforderung die plötzlich vollständige Nachweise verlangt die niemand je dokumentiert hat. Sie kommt als KI-System eines Wettbewerbers das einen Prozess automatisiert den man selbst noch händisch betreibt. Sie kommt als Deepfake-Anruf der einen Mitarbeiter zu einer Überweisung bewegt die niemand autorisiert hat.
Keine dieser Krisen ist neu. Alle nehmen gerade massiv zu.
Was sich verändert hat, ist nicht nur die Art der Bedrohung. Es ist die Geschwindigkeit. Ein Cyberangriff legt in Stunden lahm, was ein Hochwasser in Tagen zerstört. Ein regulatorischer Verstoß materialisiert sich als Bußgeldbescheid ohne Vorwarnung. Eine KI-basierte Wettbewerbsverschiebung passiert nicht in einem Quartal, sondern in einem Monat. Die Reaktionszeit die früher zur Verfügung stand, existiert bei digitalen Krisen oft nicht mehr.
Und trotzdem behandeln viele Unternehmen digitale Resilienz noch immer als IT-Thema. Als etwas das jemand anderes verantwortet, das in einem Rechenzentrum stattfindet und das mit dem richtigen Tool gelöst werden kann. Das ist ungefähr so als würde man Brandschutz delegieren weil man selbst kein Feuerwehrmann ist.
Digitale Krisenfestigkeit ist eine Führungsaufgabe. Nicht weil Führungskräfte Cybersicherheit studieren müssen, sondern weil die Entscheidungen die darüber bestimmen ob ein Unternehmen eine digitale Krise übersteht, auf Führungsebene getroffen werden. Welche Systeme sind kritisch? Welche Prozesse können ohne IT weiterlaufen? Wer entscheidet was wenn die Systeme ausfallen? Wie lange überlebt der Betrieb ohne seine digitale Infrastruktur? Wie viele Tage bis die Liquidität kippt?
Das sind keine IT-Fragen. Es sind Führungsfragen. Und sie werden in den meisten Unternehmen noch nicht gestellt.