Haben die Menschen in meinem Unternehmen einen strukturellen Anreiz das Problem zu lösen – oder einen strukturellen Anreiz es zu verwalten?
Es gibt eine Frage die sich jede Führungskraft stellen sollte, aber fast niemand stellt: Haben die Menschen in meinem Unternehmen einen strukturellen Anreiz das Problem zu lösen – oder einen strukturellen Anreiz es zu verwalten?
Das ist keine Frage über Motivation, Kompetenz oder Einsatz. Es ist eine Frage über Systemlogik. Und die Antwort ist oft unbequemer als erwartet.
Eine Risikomanagement-Abteilung die daran gemessen wird ob sie ihre Risikoberichte pünktlich einreicht, ob ihre Risikomatrix vollständig ist und ob das Audit bestanden wurde, hat einen strukturellen Anreiz genau das zu liefern: vollständige Berichte, aktuelle Matrizen, bestandene Audits. Ob die tatsächlichen Risiken im Unternehmen über die Zeit kleiner werden, ist eine andere Frage – und meistens eine die niemand misst.
Das ist kein Vorwurf an die Menschen die dort arbeiten. Es ist eine Beschreibung davon was passiert wenn eine Funktion für Aktivität belohnt wird statt für Wirkung. Risiken werden dokumentiert, kategorisiert, farblich markiert und in Berichte überführt. Was nicht gemessen wird ist ob die roten Felder in drei Jahren immer noch rot sind – und ob das jemanden stört.
Dasselbe Muster findet sich in Qualitätsmanagement-Abteilungen die für Zertifikate optimieren statt für gelebte Qualität. In Compliance-Funktionen die für Checklisten optimieren statt für tatsächliche Regelkonformität. In IT-Sicherheitsteams die für Patches und Berichte optimieren statt für echte Resilienz. Nicht weil diese Teams schlechte Arbeit machen. Sondern weil das System das sie umgibt, Aktivität belohnt und Wirkung selten misst.
Was das für Führungskräfte konkret bedeutet: Die entscheidende Frage bei jeder internen Funktion ist nicht ob sie beschäftigt ist. Die Frage ist ob sie am richtigen Ende gemessen wird. Wer Risikomanagement daran misst ob Berichte existieren, bekommt Berichte. Wer es daran misst ob Risiken tatsächlich kleiner werden, bekommt etwas anderes. Beides klingt selbstverständlich. Beides ist in der Praxis selten gleichzeitig der Fall.
Menschen handeln nach Anreizen. Immer. Auch intern.