Ich habe während meines Zivildienstes Bahnhofstoiletten gereinigt.
Ich habe während meines Zivildienstes Bahnhofstoiletten gereinigt.
Nicht einmal, nicht als Ausnahme – das war Teil des Jobs. Jeden Tag. Und weil unser Bauhofleiter seinen Spaß daran hatte, wurde ich regelmäßig kurz vor dem Frühstück dorthin geschickt. Verstopfte Toiletten entstopfen, bevor alle anderen zum Kaffee saßen. Wer schon mal in einer öffentlichen Bahnhofstoilette gearbeitet hat, weiß, was man dort vorfindet. Wer es nicht weiß – gut so.
Was ich in dieser Zeit gelernt habe, hat weniger mit Reinigung zu tun als mit Menschen.
Es gibt eine bestimmte Art, wie manche Leute mit jemandem reden, der gerade eine Toilette putzt. Ein Ton, der signalisiert: Du bist hier, um das zu erledigen, was ich nicht anfassen würde. Kein Augenkontakt, keine Begrüßung, manchmal nicht mal ein Nicken. Die Arbeit wird gemacht, die Person dahinter existiert nicht wirklich.
Ich habe das damals zur Kenntnis genommen. Heute, wenn ich Leute in Führungspositionen beobachte, fällt mir dasselbe Muster auf – nur mit anderen Rollen besetzt. Wie jemand mit dem Reinigungspersonal im Büro umgeht. Mit der Servicekraft im Restaurant. Mit dem Fahrer. Mit dem Praktikanten. Mit dem Mitarbeiter, der gerade einen Fehler gemacht hat.
Diese Momente zeigen etwas, das kein Lebenslauf zeigt und kein Vorstellungsgespräch abfragt: wie jemand mit Menschen umgeht, wenn er keinen Grund hat, sich Mühe zu geben.
Respekt, der nur nach oben fließt, ist kein Respekt. Es ist Kalkulation.
Wer das verstanden hat, behandelt die Reinigungskraft genauso wie den Investor – nicht weil beide denselben Status haben, sondern weil Respekt kein Status ist. Er ist eine Haltung. Und Haltungen zeigen sich genau in den Momenten, in denen niemand zuschaut und nichts auf dem Spiel steht.