Je mehr Menschen formal für etwas verantwortlich sind desto weniger fühlt sich jeder Einzelne tatsächlich verantwortlich.
Es gibt ein Muster das ich regelmäßig in Unternehmen beobachte. Und das ich jedes Mal erkenne bevor jemand es ausspricht.
Je mehr Menschen formal für etwas verantwortlich sind desto weniger fühlt sich jeder Einzelne tatsächlich verantwortlich.
Nicht weil Menschen gleichgültig wären. Sondern weil bei geteilter Verantwortung jeder automatisch annimmt dass schon jemand anderes handelt. Dieser Effekt ist nicht rational. Er ist menschlich. Und er ist zuverlässig.
Ich nenne das Verantwortungsdiffusion.
In Unternehmen zeigt er sich in einer bestimmten Formulierung die ich als Warnsignal behandle: Dafür sind wir alle zuständig. Das klingt nach Teamgeist. Es ist das Gegenteil. Denn was alle verantworten verantwortet niemand. Und was niemand verantwortet landet irgendwann in der Krise auf dem Tisch einer Führungskraft die sich fragt warum niemand früher gehandelt hat.
Die Antwort ist meistens dieselbe: Weil alle gedacht haben dass jemand anderes es tut.
In Qualitätsmanagementsystemen ist Verantwortungsdiffusion besonders teuer. Schnittstellen zwischen Abteilungen, übergreifende Prozesse, Eskalationssituationen – überall dort wo keine einzelne Person klar benannt ist entstehen Lücken. Nicht aus Böswilligkeit. Aus der strukturellen Logik geteilter Verantwortung.
Die Lösung ist keine Kulturinitiative. Sie ist eine strukturelle Entscheidung. Eine Person. Ein Name. Eine klare Befugnis. Für jedes wesentliche Thema das sonst im Diffusionsraum verschwindet.
Verantwortung die auf viele verteilt wird löst sich nicht auf – sie verschwindet nur aus dem Sichtfeld. Bis sie irgendwann als Problem auftaucht. Mit Zinsen.