Jeder kennt das Zögern, kurz bevor der Bohrer für das Dübelloch ansetzt: Ist da eine Leitung? Strom? Wasser? Egal, es wird schon gutgehen.
Jeder kennt den kurzen Moment des Zögerns, kurz bevor der Bohrer für das Dübelloch ansetzt: Ist da eine Leitung? Strom? Wasser? Egal, wird schon gutgehen.
Wer weiß, wo die Leitungen verlaufen, bohrt entspannt. Wer es nicht weiß, spielt russisches Roulette mit der eigenen Wand. Es kann gutgehen. Es kann auch richtig übel werden – Wasserschaden, aufgerissene Wand, ein Handwerker-Notdienst am Wochenende zum Doppelpreis.
Genau das ist der Grund, warum ein guter Klempner dokumentiert, wo die Leitungen tatsächlich verlaufen – nicht für sich selbst, sondern für jeden, der nach ihm in dieser Wand etwas befestigen will. Eine Skizze, ein Foto, eine Notiz im Bauordner. Fünf Minuten Aufwand, die jahrelang Ärger ersparen.
Verfahrensdokumentation in einem Unternehmen funktioniert nach exakt demselben Prinzip. Sie zeigt nicht, wie es aussieht, wenn etwas funktioniert. Sie zeigt, wo die unsichtbaren Verbindungen liegen, auf die man treffen würde, wenn man unwissend hineinbohrt – welcher Prozess hängt von welchem System ab, wer entscheidet was, welche Schritte in welcher Reihenfolge passieren müssen, damit am Ende nichts bricht.
Ohne diese Dokumentation arbeitet jeder im Unternehmen wie jemand, der blind in eine Wand bohrt. Es geht meistens gut. Bis es das eine Mal nicht tut – ein neuer Mitarbeiter ändert einen Prozess, ohne zu wissen, dass drei andere Abteilungen darauf aufbauen. Eine Software wird umgestellt, ohne dass jemand merkt, dass eine kritische Schnittstelle daran hängt. Ein Schritt wird übersprungen, weil niemand aufgeschrieben hat, dass er notwendig ist.
Das Ergebnis ist dann kein kleiner Kratzer in der Wand. Es ist der unternehmerische Wasserschaden: ein Prozess, der wochenlang falsch läuft, bevor irgendjemand merkt warum. Ein Kunde, der falsch behandelt wird, weil eine Information verloren ging. Eine Prüfung, bei der niemand erklären kann, wie ein Ablauf eigentlich funktioniert.
Der Unterschied zwischen einem Unternehmen mit Verfahrensdokumentation und einem ohne zeigt sich nicht im Alltag – da läuft beides scheinbar gleich gut. Er zeigt sich genau in dem Moment, in dem jemand etwas verändern, übernehmen oder reparieren muss, ohne vorher zu wissen, was unter der Oberfläche liegt.
Wer wissen will, wo in seinem Unternehmen gerade blind gebohrt wird – schreib mir eine DM.