Jemand hat eine Treppe gebaut. Perfekte Stufen, saubere Ausführung, handwerklich einwandfrei. Sie führt direkt gegen eine Wand.
Jemand hat eine Treppe gebaut. Perfekte Stufen, saubere Ausführung, handwerklich einwandfrei. Sie führt direkt gegen eine Wand.
Sein Job war die Treppe. Nicht die Wand.
Das klingt absurd. Und ich begegne dieser Situation regelmäßig – nur ohne Treppe und Wand, sondern in Meetings, Übergaben und Prozessen. Jeder macht seinen Teil. Jeder macht ihn ordentlich. Und am Ende fragt sich jemand warum das Gesamtergebnis nicht funktioniert obwohl doch alle ihren Job gemacht haben.
Der Vertrieb übergibt einen Auftrag an die Produktion – vollständig ausgefüllt, alle Felder korrekt, alles nach Vorgabe. Was die Produktion damit anfangen muss weiß der Vertrieb nicht. Nicht weil er nachlässig ist. Weil es nie sein Job war das zu wissen. Und weil niemand je die Frage gestellt hat: Was braucht die nächste Station eigentlich von uns?
Die Entwicklung liefert eine Spezifikation an den Einkauf – technisch präzise, vollständig dokumentiert, intern geprüft. Der Einkauf kauft danach ein. Was dabei herauskommt entspricht der Spezifikation aber nicht dem was die Produktion tatsächlich braucht. Alle haben ihren Job gemacht. Die Treppe führt trotzdem gegen die Wand.
Das ist kein Qualitätsproblem. Es ist ein Koordinationsproblem das wie ein Qualitätsproblem aussieht. Der Fehler liegt nicht in den einzelnen Schritten. Er liegt in den Übergaben zwischen ihnen. Genau dort wo niemand zuständig ist, weil jeder nur für seinen Teil verantwortlich ist.
Silodenken ist kein Charakterfehler. Es ist das vorhersehbare Ergebnis von Strukturen die Verantwortung sauber trennen ohne gleichzeitig zu klären wer auf das Gesamtergebnis schaut. Wer nur für seine Treppe verantwortlich ist, baut eine gute Treppe. Was danach kommt ist dann jemand anderes Problem.
Bis es das Problem von allen ist.