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Kalkulierte Sorglosigkeit schützt nicht vor dem Risiko. Sie schützt vor der Entscheidung die nötig wäre um das Risiko zu adressieren.

Kalkulierte Sorglosigkeit schützt nicht vor dem Risiko. Sie schützt vor der Entscheidung die nötig wäre um das Risiko zu adressieren.
Es gibt eine Form des Risikomanagements die gefährlicher ist als Unwissenheit. Unwissenheit lässt sich beheben. Man erkennt eine Lücke, schließt sie, lernt dazu. Das ist unangenehm aber lösbar. Was ich Kalkulierte Sorglosigkeit nenne ist etwas anderes. Das Risiko ist bekannt. Es wird gesehen. Es wird auch besprochen – in kleinen Runden, in informellen Gesprächen, in den Momenten wo jemand kurz ausspricht was alle wissen. Und dann wird es kleingerechnet. Nicht weil die Zahlen es hergeben. Sondern weil das Ergebnis der Rechnung bequemer ist als die Alternative. Das Muster ist immer dasselbe. Die Eintrittswahrscheinlichkeit wird als gering eingeschätzt – ohne belastbare Grundlage dafür. Der mögliche Schaden wird als beherrschbar dargestellt – ohne dass jemand nachgerechnet hat was beherrschbar konkret bedeutet. Und die Maßnahme die nötig wäre wird als unverhältnismäßig eingestuft – gemessen an einem Risiko das man gerade selbst kleingerechnet hat. Das ist kein Zufall. Es ist eine Methode. Kalkulierte Sorglosigkeit schützt nicht vor dem Risiko. Sie schützt vor der Entscheidung die nötig wäre um das Risiko zu adressieren. Wer ein Risiko klein genug rechnet muss nichts tun. Wer nichts tun muss trägt keine Verantwortung. Und wer keine Verantwortung trägt hat auch nichts zu erklären wenn das Risiko eintritt. Das Problem ist dass das Risiko davon unbeeindruckt bleibt. Es ist nicht kleiner geworden weil jemand es kleingerechnet hat. Es wartet einfach. §1 StaRUG setzt an genau dieser Stelle an. Die Pflicht zur Risikofrüherkennung ist keine Pflicht zur Risikovermeidung – das wäre unrealistisch. Sie ist eine Pflicht zur ehrlichen Risikobewertung. Wer Risiken systematisch kleinrechnet erfüllt diese Pflicht nicht. Auch wenn die Risikomatrix am Ende grün ist. Die Frage die ich Führungskräften stelle wenn ich den Verdacht auf kalkulierte Sorglosigkeit habe ist einfach: Wenn dieses Risiko morgen einträte – wären Sie überrascht? Oder hätten Sie es kommen sehen? Die Antwort auf diese Frage ist aufschlussreicher als jede Risikobewertung.
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