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KI lernt von menschlichen Texten. Menschen schreiben zunehmend mit KI. Die nächste KI-Generation lernt von Texten, die die vorherige KI mitgeschrieben

KI lernt von menschlichen Texten. Menschen schreiben zunehmend mit KI. Die nächste KI-Generation lernt von Texten, die die vorherige KI mitgeschrieben
KI lernt von menschlichen Texten. Menschen schreiben zunehmend mit KI. Die nächste KI-Generation lernt von Texten, die die vorherige KI mitgeschrieben hat. Und so weiter. In der Genetik nennt man das, was dabei entsteht, Inzucht. In der Informationswissenschaft nennt man es Model Collapse. Ich nenne es Gedankeninzucht – und halte es für das unterschätzteste Risiko der nächsten zwanzig Jahre. Nicht weil KI schlechter schreibt. Sie schreibt gut. Das ist genau das Problem. Eine KI erzeugt keine wirklich neuen Ideen. Sie kombiniert, was vorhanden ist. Wenn die Trainingsdaten der nächsten Generation zunehmend aus KI-generierten Inhalten bestehen, verschwinden seltene Formulierungen, ungewöhnliche Denkansätze werden seltener, stilistische Vielfalt nimmt ab, und Fehler verstärken sich selbst. Es ist wie eine Fotokopie einer Fotokopie einer Fotokopie – mit jeder Generation geht etwas verloren, das man erst später vermisst. Aber das ist noch nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem liegt eine Ebene tiefer. Wirklich neue Gedanken entstehen nicht durch besseres Formulieren. Sie entstehen durch Menschen, die Experimente machen, Hypothesen testen, Krisen erleben, Annahmen infrage stellen und aus diesen Erfahrungen Schlüsse ziehen, die vorher niemand gezogen hat. Das ist der originäre Input, aus dem sowohl menschliches Wissen als auch KI-Training schöpft. Wenn Menschen anfangen, mit KI zu denken statt mit KI zu formulieren, versiegt genau diese Quelle. Nicht plötzlich, nicht dramatisch – sondern leise und graduell. Immer weniger originäre menschliche Überlegungen. Immer mehr Variationen bereits vorhandener Muster. Ein öffentlicher Diskurs, der sich in immer engeren Kreisen dreht, weil niemand mehr aus dem Kreis herausgetreten ist, um etwas wirklich Neues zu beobachten. Das ist keine Dystopie. Es ist eine Richtung, in die wir uns gerade bewegen, wenn wir nicht bewusst dagegen steuern. Die Frage ist nicht, ob KI gut oder schlecht ist. Die Frage ist, ob wir sie als Werkzeug zum Formulieren nutzen – oder anfangen, sie als Ersatz fürs Denken zu akzeptieren. Beides sieht von außen gleich aus. Der Unterschied zeigt sich erst in zwanzig Jahren, wenn man fragt, wo die wirklich neuen Ideen geblieben sind.
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