Kontinuitätsillusion nenne ich die Annahme, ein Betrieb laufe auch ohne Vorbereitung weiter, weil er bisher immer weitergelaufen ist.
Kontinuitätsillusion nenne ich die Annahme, ein Betrieb laufe auch ohne Vorbereitung weiter, weil er bisher immer weitergelaufen ist.
Der Gedanke ist nachvollziehbar. Die Lieferungen kamen an, die Rechnungen gingen raus, die Löhne wurden pünktlich gezahlt. Aus dieser Erfahrung wird eine Gewissheit. Dabei ist sie nur eine Beobachtung über die Vergangenheit.
Was dabei übersehen wird: Dass ein Betrieb bisher funktioniert hat, sagt wenig darüber, warum er funktioniert hat. Oft tragen ihn Menschen, die Lücken im Alltag still schließen. Die Mitarbeiterin, die weiß, wie ein Auftrag trotz Systemfehler durchläuft. Der Inhaber, der bei jedem Problem erreichbar ist. Der Lieferant, der seit zwanzig Jahren auf Zuruf liefert. Nichts davon ist geregelt, und trotzdem hängt alles daran.
Eine Kontinuität, die von einzelnen Personen und gewachsenen Gewohnheiten abhängt, ist keine organisierte Kontinuität. Sie besteht aus einer Reihe von Tagen, an denen nichts passiert ist. Das ist angenehm, aber es ist kein Plan.
Erkennen können Sie die Kontinuitätsillusion an Sätzen wie „Das lief bisher immer“ oder „Das regelt die Kollegin schon“. Sie zeigt sich dort, wo ein Notfallplan existiert, den noch nie jemand ausprobiert hat. Und sie zeigt sich, wenn drei Führungskräfte gefragt werden, wer im Ernstfall entscheiden darf, und drei verschiedene Namen nennen.
Der Preis dieser Illusion fällt nicht an, solange alles läuft. Er fällt an, wenn zum ersten Mal etwas nicht läuft und niemand vorbereitet ist, die Lücke zu schließen. Dann kostet jede Stunde Klärung Zeit, die in der Krise knapp ist.
Die gute Nachricht: Sie müssen dafür keine Katastrophe durchspielen. Es genügt, ehrlich hinzusehen, worauf die Funktionsfähigkeit Ihres Betriebs wirklich beruht. Wer das weiß, kann Vertretungen regeln, Wissen aus Köpfen in Abläufe bringen und Alternativen vorbereiten. Das Ergebnis ist ein Betrieb, der auch dann weiterläuft, wenn die gewohnte Person, das gewohnte System oder der gewohnte Lieferant einmal fehlt. Und ein Unternehmer, der das nicht nur hofft, sondern weiß.
Nehmen Sie sich eine Leistung vor, ohne die Ihr Unternehmen nicht arbeiten kann, etwa die Auslieferung, die Lohnabrechnung oder die Kundenbetreuung. Wessen Ausfall würde sie stoppen, und was davon ist heute schriftlich vorbereitet?