Kulturelle Fehlalarmblindheit ist einer der gefährlichsten Zustände den ein Unternehmen entwickeln kann.
Kulturelle Fehlalarmblindheit ist einer der gefährlichsten Zustände den ein Unternehmen entwickeln kann.
Nicht weil niemand warnt. Sondern weil alle gewarnt haben – und nichts passiert ist. Wieder. Und wieder. Bis das Warnen selbst bedeutungslos geworden ist.
Das Muster entsteht schleichend. Eine Warnung kommt. Sie wird zur Kenntnis genommen. Vielleicht gibt es ein Meeting. Vielleicht eine E-Mail. Und dann passiert – nichts. Weil es gerade wichtigeres gibt. Weil die Lage sich irgendwie stabilisiert. Weil man abwartet ob sich das Problem von selbst löst. Und weil das Unternehmen tatsächlich weiterläuft. Vorerst.
Beim zweiten Mal ist die Reaktion etwas gedämpfter. Beim dritten Mal schaut kaum jemand mehr hin. Wer immer warnt ohne dass etwas folgt verliert seine Wirkung – und irgendwann auch seinen Mut zu warnen. Das System lernt: Warnungen sind Rauschen. Kein Signal. Und genau dann wird es gefährlich.
§1 StaRUG verpflichtet Geschäftsleiter zur Krisenfrüherkennung und zur Reaktion auf erkannte Entwicklungen. Was das Gesetz dabei voraussetzt ist eine Unternehmenskultur in der Warnungen nicht nur gesendet sondern auch empfangen werden. In der jemand verantwortlich ist wenn ein Signal eingeht. In der auf Erkenntnis Handlung folgt – nachweisbar und dokumentiert. Eine Organisation die kulturell fehlalarmblind geworden ist erfüllt diese Voraussetzung nicht. Nicht weil niemand schaut. Sondern weil niemand mehr wirklich hinschaut.
Was Fehlalarmblindheit von legitimer Priorisierung unterscheidet ist nicht die Häufigkeit der Warnungen. Es ist die Frage ob das System überhaupt noch in der Lage ist zwischen Signal und Rauschen zu unterscheiden. Wer jeden Alarm als Routine behandelt behandelt irgendwann auch den ernsthaften als Routine. Das ist der Moment in dem aus einem strukturellen Problem ein akutes wird – und zwar meistens zu einem Zeitpunkt an dem die Reaktionszeit längst abgelaufen ist.
Die Lösung ist nicht weniger Warnungen. Es ist eine Kultur in der auf Warnungen etwas folgt. Eine klare Zuständigkeit. Ein definierter nächster Schritt. Ein Dokument das festhält was erkannt wurde und was dagegen unternommen wird. Das klingt aufwendig. Es ist ein Absatz pro Vorfall.
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