Letzte Woche war ich in einem Schaubergwerk im Erzgebirge. Bergbau um 1700. Ich dachte ich weiß ungefähr was mich erwartet.
Letzte Woche war ich in einem Schaubergwerk im Erzgebirge. Bergbau um 1700. Ich dachte ich weiß ungefähr was mich erwartet.
Ich hatte keine Ahnung.
Was mich am meisten beeindruckt hat: Es gab keine Maschinen. Keine Technik im heutigen Sinne. Eine einzige Ausnahme – ein wasserbetriebenes Holzrad das über ein Gestänge hölzerne Pumpen antrieb um das Grundwasser in den Stollen abzusenken. Alles andere: Schlegel und Eisen. Ein kleiner Hammer und ein Meißel – mit dem man gegen das harte Festgestein schlug. Pro Schicht arbeitete sich ein Bergmann durch zehn bis zwanzig Meißel die im Laufe der Stunden einen nach dem anderen stumpf wurden. Die stumpfen Eisen wurden gegen frische ausgetauscht. Über Nacht reparierte der Bergschmied sie wieder – damit am nächsten Morgen neue da waren. Wenige Zentimeter Vortrieb pro Tag. Und das Licht dazu: eine kleine Öllampe die man Frosch nannte – mit einer winzigen flackernden offenen Flamme die keine zwei Meter weit leuchtete.
In fast völliger Dunkelheit. Tief unter der Erde. Schwere körperliche Arbeit. Stunde um Stunde.
Ich stand in diesem Stollen und habe gedacht: Diese Menschen hatten keine zweite Chance wenn etwas schiefging. Kein Funknetz. Kein Notruf. Keine Rettungskette wie wir sie heute kennen. Was sie hatten war das was vorher vorbereitet wurde. Das Wissen das weitergegeben wurde. Die Abläufe die alle kannten. Und die stille Verlässlichkeit eines Systems in dem jeder seinen Teil tat – der Bergmann schlug, der Bergschmied reparierte, das Holzrad pumpte – damit das Ganze am nächsten Morgen wieder funktionierte.
Und genau das hat mich zur Unternehmer-Resilienz gebracht.
Nicht weil Unternehmertum heute annähernd so hart ist wie Bergbau im 18. Jahrhundert – das wäre eine absurde Gleichsetzung. Sondern weil das Prinzip dasselbe ist: Wer unter Druck handlungsfähig bleiben will muss die Vorbereitung in ruhigen Zeiten erledigen. Nicht wenn der Stollen volläuft. Vorher. Und wer sein System so aufbaut dass jeder seinen Teil kennt – auch dann wenn der Unternehmer selbst gerade nicht erreichbar ist – hat mehr gebaut als ein Unternehmen. Er hat Resilienz gebaut.
Der Frosch leuchtete keine zwei Meter weit. Aber er leuchtete. Und wer ihn dabei hatte wusste wo er hintreten musste.
Wenn du mehr zum Thema Unternehmer-Resilienz wissen möchtest – kurze DM genügt.