Mein jüngster Sohn wird nie verstehen, wie es war, ohne Smartphone aufzuwachsen. Ich schon – ich weiß noch, wie es war ohne Telefon, ohne Internet, oh
Mein jüngster Sohn wird nie verstehen, wie es war, ohne Smartphone aufzuwachsen. Ich schon – ich weiß noch, wie es war ohne Telefon, ohne Internet, ohne Handy, ohne Anrufbeantworter. Meine Eltern wissen noch, wie es war ohne Fernseher. Und meine Großeltern haben das Auto als Sensation erlebt.
Jede Generation wächst in eine Welt hinein, die für sie die einzige ist, die sie kennt. Was uns als Revolution erschien, ist für unsere Kinder schlicht Normalzustand. KI wird für die nächste Generation so selbstverständlich sein wie für uns das Internet – etwas, das schon immer da war, und dessen Abwesenheit man sich ungefähr so vorstellen kann wie ein Leben ohne Strom.
Ich gehöre übrigens zu einer Generation, die sowohl analoge als auch digitale Pubertät kennt. Was ich dabei besonders schätze: Es gibt keine Beweisfotos für den Blödsinn, den wir mit zwanzig gemacht haben. Kein Instagram, keine Storys, keine Cloud-Backups. Einfach weg. Für immer. Ein Privileg, das keine Generation nach uns mehr haben wird.
Was mich heute Morgen wirklich beschäftigt, ist nicht die Technologie selbst. Es ist die Geschwindigkeit. Die Eisenbahn hat Jahrzehnte gebraucht, um das Reisen zu verändern. Das Auto Jahrzehnte, um die Städte umzuformen. Das Internet vielleicht fünfzehn Jahre, bis es wirklich überall war. Das Smartphone zehn Jahre. Und KI? Wir werden es sehen. Vermutlich schneller als uns lieb ist.
Jeder dieser Sprünge hatte Gewinner und Verlierer. Berufe verschwanden. Neue entstanden, die vorher niemand hätte benennen können. Das ist nicht neu – das ist die Grundstruktur technologischen Wandels, seit Menschen Werkzeuge benutzen. Was sich verändert hat, ist das Tempo. Was früher über ein ganzes Berufsleben passierte, passiert heute innerhalb von zehn Jahren. Was das für die nächste Generation bedeutet, weiß ehrlich gesagt niemand genau. Auch nicht die selbsternannten KI-Experten, die seit anderthalb Jahren täglich darüber posten. Mich eingeschlossen.
Die nächste Generation wird mit KI aufwachsen und gar nicht verstehen, warum wir uns darüber so aufgeregt haben. So wie mein Sohn nicht versteht, warum ich damals aufgeregt war, als wir zum ersten Mal eine E-Mail geschickt haben.
Morgengedanken eines alten Eisens. Mit Kaffee. Guten Morgen.