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Pseudo-Stabilität ist kein Betriebszustand. Es ist ein Risiko das sich als Normalzustand verkleidet hat.

Pseudo-Stabilität ist kein Betriebszustand. Es ist ein Risiko das sich als Normalzustand verkleidet hat.
In Softwareunternehmen gibt es ein Muster das ich regelmäßig beobachte. Das Produkt wird ausgeliefert. Der Release geht raus. Der Kunde ist zufrieden. Von außen sieht alles gut aus. Aber wenn man genauer hinschaut zeigt sich wie das wirklich passiert ist. Zwei Entwickler die bis 22 Uhr durchgearbeitet haben. Ein Teamlead der wieder mal das Review übernommen hat das eigentlich jemand anderes hätte machen sollen. Ein Senior der den Bug gefixed hat weil er schneller war als zu erklären warum und wie. Und ein Produktmanager der den Kunden bei Laune gehalten hat während intern das Chaos herrschte das niemand nach außen sehen sollte. Das Produkt ist draußen. Die Arbeit war getan. Alle atmen kurz durch. Und beim nächsten Release passiert dasselbe. Was dabei entsteht nennt sich Pseudo-Stabilität. Das System funktioniert – aber nur weil immer dieselben einspringen. Nicht weil die Struktur es trägt. Nicht weil Prozesse greifen. Nicht weil Verantwortlichkeiten klar sind. Sondern weil eine handvoll Menschen bereit sind mehr zu leisten als eigentlich vorgesehen war. Das ist kein Zeichen von Stärke. Es ist ein Zeichen dass das System von einzelnen Personen abhängt. Und diese Abhängigkeit hat einen Preis der sich lange nicht zeigt – und dann umso heftiger. Der erste Preis ist Qualität. Was als Notlösung begann wird zur Normalität. Standards die einmal galten sinken nicht im Handbuch. Sie sinken im Alltag. Wer immer wieder einspringt lernt irgendwann dass Einspringen erwartet wird – und wer nie Konsequenzen trägt lernt dass es keine gibt. Der zweite Preis ist Erschöpfung. Die Menschen die das System tragen werden nicht mehr. Sie werden weniger. Nicht weil sie schlechter wären – sondern weil niemand dauerhaft mehr gibt als er zurückbekommt. Irgendwann springen sie nicht mehr ein. Oder sie gehen. Und dann zeigt sich wie resilient das Unternehmen wirklich ist. Für Softwareunternehmen ist das eine besonders relevante Frage weil Wissen, Qualität und Verlässlichkeit so stark an einzelnen Personen hängen. Wer sind die zwei Entwickler ohne die ein Release nicht möglich wäre? Was passiert wenn der Teamlead drei Wochen ausfällt? Welche Prozesse existieren nur weil jemand sie im Kopf hat? Pseudo-Stabilität ist kein Betriebszustand. Es ist ein Risiko das sich als Normalzustand verkleidet hat. Wenn Sie mehr zum Thema Unternehmer-Resilienz wissen möchten – kurze DM genügt.
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