Qualität ist keine geteilte Verantwortung. Sie ist verteilter Beitrag mit konzentrierter Rechenschaftspflicht. Das klingt ähnlich. Es ist fundamental
Qualität ist keine geteilte Verantwortung. Sie ist verteilter Beitrag mit konzentrierter Rechenschaftspflicht. Das klingt ähnlich. Es ist fundamental verschieden.
In einem funktionierenden Qualitätsmanagementsystem kann und soll jeder beitragen. Der Mitarbeiter der eine Abweichung meldet, der Entwickler der einen Fehler früh erkennt, der Lieferant der auf ein Problem hinweist. Beitrag ist wertvoll, notwendig und sollte aktiv gefördert werden. Aber Beitrag ist keine Entscheidung. Und wer entscheidet ist eine andere Frage als wer beiträgt. Ein System das beide Rollen vermischt, hat keine Verantwortungsstruktur. Es hat eine Liste von Beteiligten.
Das eigentliche Problem zeigt sich nicht beim Fehler selbst, sondern danach. Jedes Qualitätssystem lernt durch das Analysieren von Fehlern – was ist passiert, warum ist es passiert, was muss sich ändern damit es nicht wieder passiert. Diese Analyse braucht eine Adresse. Nicht um jemanden zu bestrafen, sondern weil "das Team hat es so entschieden" keine Grundlage für systemische Verbesserung ist. Wer hat welche Information gehabt? Wer hat auf Basis welcher Annahmen entschieden? Was war der Kontext dieser Entscheidung? Diese Fragen lassen sich nur beantworten, wenn klar ist wer die Entscheidung getroffen hat.
Wenn ein Fehler passiert und das System hinter "wir" und "gemeinsam" verschwindet, ist das keine Bescheidenheit. Es ist eine Lernblockade. Der Fehler kann nicht sauber analysiert werden, weil die Entscheidungskette nicht rekonstruierbar ist. Die Maßnahmen, die daraus abgeleitet werden, treffen deshalb meistens das Symptom, nicht die Ursache. Und beim nächsten ähnlichen Fall wiederholt sich dasselbe – mit einem anderen Protokolleintrag.
Was ein belastbares Qualitätssystem braucht, sind vier Dinge die explizit benannt sein müssen: Wer trägt zum Prozess bei? Wer hat das Recht und die Pflicht Einwände zu erheben? Wer trifft die Entscheidung? Und wer verantwortet das Ergebnis und steht dafür gerade – nicht als Schuldiger, sondern als Ansprechpartner für die Analyse danach? Das sind vier verschiedene Rollen, die sich ergänzen und gegenseitig stärken. Wer sie zusammenwirft, baut ein System das sich im Normalbetrieb gut anfühlt und im Ernstfall niemanden findet, der sagen kann: Ich war dabei, ich weiß was damals entschieden wurde und warum.
Der Test für jedes Qualitätssystem ist nicht ob es einen Fehler verhindert hat. Der Test ist was passiert wenn ein Fehler trotzdem eintritt. Kann das System die Entscheidungskette rekonstruieren und daraus lernen? Oder bleibt als Ergebnis eine Maßnahme übrig, die niemand wirklich versteht, weil niemand wirklich verstanden hat was zum Fehler geführt hat?
Systeme die Fehler niemandem zuordnen können, lernen nicht aus ihnen. Sie protokollieren sie.