Stellen Sie sich vor, ein wichtiger Lieferant fällt aus. Auf Ihrer Checkliste steht: „Ersatzlieferant kontaktieren.“ Gut. Aber wer darf den Ersatz fre
Eine Checkliste kann im Ernstfall helfen. Sie kann aber nicht für Sie entscheiden.
Stellen Sie sich vor, ein wichtiger Lieferant fällt aus. Auf Ihrer Checkliste steht: „Ersatzlieferant kontaktieren.“ Gut. Aber wer darf den Ersatz freigeben, wenn der Preis höher ist? Wer entscheidet, welche Kunden zuerst beliefert werden? Wer informiert Vertrieb und Produktion? Und was geschieht, wenn der Ersatzlieferant ebenfalls nicht liefern kann?
Die Liste erinnert an Schritte. Das ist nützlich. Krisenfest wird der Ablauf aber erst, wenn auch klar ist, wer handelt, welche Entscheidung diese Person treffen darf und wo sie die nötigen Informationen findet. Sonst führt die Checkliste bis zur ersten Abzweigung – und dort beginnt die Improvisation.
Das macht Checklisten nicht überflüssig. Im Gegenteil: Sie können einen Ablauf sichtbar und im richtigen Moment abrufbar machen. Nur sollten sie Teil eines funktionierenden Systems sein: mit benannter Verantwortung, klaren Entscheidungswegen, zugänglichen Informationen und einem Ersatzweg für den Fall, dass der vorgesehene Schritt nicht funktioniert.
Prüfen lässt sich das ohne große Übung: Geben Sie einer Vertretung eine Checkliste, die sie nicht selbst erstellt hat. Spielen Sie einen realistischen Ausfall durch, ohne zwischendurch zu erklären, was gemeint ist. Findet die Person die Unterlagen? Weiß sie, was sie entscheiden darf? Erkennt sie, wann sie eskalieren muss? Und kann sie den nächsten Schritt tatsächlich ausführen?
Wenn die Liste nur mit dem Verfasser funktioniert, ist nicht die Liste das Problem. Dann hängt der Ablauf noch an einer Person. Eine gute Checkliste macht das System nutzbar. Sie ersetzt es nicht.