Vereinfachen ist keine Vereinfachung. Es ist eine eigene Kompetenz. Und sie ist schwerer als die meisten denken die sie noch nicht geübt haben.
Der Markt bezahlt keine Kompetenz. Er bezahlt wahrgenommene Kompetenz.
Das ist ein Satz der viele gute Menschen ärgert. Zu Recht – denn er ist ungerecht. Wer jahrelang Expertise aufgebaut hat, wer die Nuancen kennt, wer weiß warum die Antwort auf fast jede Frage "es kommt darauf an" lautet – der möchte nicht hören dass das nicht reicht. Dass jemand mit halb so viel Tiefe mehr verkauft, weil er klarer kommuniziert.
Und trotzdem stimmt es.
Ich arbeite in einem Bereich der von Natur aus zur Komplexität neigt. Risikomanagement, Krisenfestigkeit, Compliance, Cyberresilienz – alles Themen bei denen die ehrliche Antwort selten einfach ist. Wo Zusammenhänge wichtig sind. Wo Kontext entscheidet. Wo ein "das kommt drauf an" meistens die präziseste Aussage ist die man treffen kann.
Das Problem: Niemand kauft Komplexität die er nicht versteht. Kein Geschäftsführer sagt seinem Steuerberater "ich brauche jemanden der mir erklärt wie viele Variablen in meiner Situation eine Rolle spielen." Er sagt: "Ich will wissen ob ich ein Problem habe und was ich dagegen tun kann."
Die eigentliche Arbeit ist deshalb nicht die fachliche Tiefe. Die ist Voraussetzung, nicht Produkt. Die eigentliche Arbeit ist die Übersetzung. Komplexes so erklären dass jemand der sich täglich mit anderen Dingen beschäftigt, in zwei Minuten versteht warum es für ihn relevant ist und was er damit anfangen kann.
Vereinfachen ist keine Vereinfachung. Es ist eine eigene Kompetenz. Und sie ist schwerer als die meisten denken die sie noch nicht geübt haben.
Wer denkt "wer es versteht, versteht es" hat recht. Und verliert trotzdem – an jemanden der dieselbe Tiefe in einer Sprache erklärt die mehr Menschen sofort einordnen können.