Während meines Zivildienstes war ich regelmäßig für die Bahnhofstoiletten zuständig. Unser Bauhofleiter hatte eine Vorliebe dafür, mich kurz vor dem F
Während meines Zivildienstes war ich regelmäßig für die Bahnhofstoiletten zuständig. Unser Bauhofleiter hatte eine Vorliebe dafür, mich kurz vor dem Frühstück dorthin zu schicken – bevorzugt wenn eine Toilette verstopft war. Wer schon mal eine öffentliche Bahnhofstoilette von innen gesehen hat, ahnt, was das bedeutet. Wer nicht – gut so.
Die Methode war simpel: Wasserschlauch tief rein, voll aufdrehen, hoffen. Funktionierte es – prima. Funktionierte es nicht – nun ja, dann kam einem der Spaß entgegen und es dauerte etwas länger.
Das passierte mir regelmäßig. Kurz vor dem Frühstück. Danach hatte ich meistens keinen Hunger mehr.
Irgendwann hatte ich genug. Nicht laut, keine Konfrontation, kein Gespräch über Respekt und Würde. Ich habe einfach nach der erfolgreichen Entstopfung meine benutzten, stark riechenden Gummihandschuhe auf den Frühstückstisch im Bauhof gelegt. Sorgfältig. Mittig. Gut sichtbar.
Seitdem wurde ich nicht mehr vor dem Frühstück geschickt.
Die Geschichte klingt lustig – und ist es auch. Aber das eigentliche Learning hat mich länger begleitet als ich damals dachte: Probleme lösen sich selten durch die richtige Beschwerde. Sie lösen sich durch die richtige Konsequenz. Nicht aggressiv, nicht dramatisch, einfach so gestaltet, dass das Problem für denjenigen, der es verursacht, spürbar wird.
In der Führung gilt dasselbe. Wer immer nur mahnt, erklärt und dokumentiert, ohne dass irgendetwas spürbar wird, ändert meistens nichts. Wer dagegen eine Konsequenz schafft, die direkt und ohne Umwege beim Verursacher ankommt – ruhig, sachlich, unübersehbar – der verändert Verhalten. Dauerhaft.
Die Gummihandschuhe lagen nur einmal auf dem Tisch. Es hat gereicht.