Was nicht aufgeschrieben ist existiert nicht. Und was nicht existiert muss niemanden beschäftigen. Das klingt praktisch. Es ist es auch – bis jemand f
Es gibt eine Form des Vergessens die kein Zufall ist.
Was unangenehm werden könnte wird schlicht nicht erinnert. Nicht dokumentiert. Nicht nachverfolgt. Was nicht aufgeschrieben wurde hat nie stattgefunden.
Ich nenne das präventive Amnesie.
Der Begriff klingt hart. Der Mechanismus ist es nicht – er ist menschlich und organisational zutiefst verständlich. Niemand entscheidet bewusst etwas zu vergessen. Aber Organisationen entwickeln eine selektive Erinnerung die sich danach richtet was Konsequenzen hätte wenn es erinnert würde. Das Risiko das besprochen aber nie protokolliert wurde. Der Hinweis der eingegangen aber nie bearbeitet wurde. Die Schwachstelle die erkannt aber nie gemeldet wurde.
Was nicht aufgeschrieben ist existiert nicht. Und was nicht existiert muss niemanden beschäftigen.
Das klingt praktisch. Es ist es auch – bis jemand fragt.
Dann ist das fehlende Dokument nicht der Beweis dass nichts passiert ist. Es ist der Beweis dass niemand hingeschaut hat. Oder dass jemand hingeschaut hat und entschieden hat nicht hinzuschauen. Beides hat Konsequenzen. Rechtliche. Haftungsrechtliche. Und solche die sich in dem Moment zeigen wenn eine bestandsgefährdende Entwicklung so lange nicht erinnert wurde bis sie sich selbst erinnert hat – als Krise.
§1 StaRUG setzt die Abkehr von präventiver Amnesie voraus. Die Pflicht zur Risikofrüherkennung ist keine Pflicht zum Optimismus. Sie ist eine Pflicht zur Dokumentation – auch des Unangenehmen. Gerade des Unangenehmen.
Die Frage die ich in der Beratung stelle ist einfach: Was wurde in den letzten zwölf Monaten besprochen aber nie aufgeschrieben?
Die Antwort auf diese Frage zeigt mehr über den Zustand eines Unternehmens als jede Risikomatrix die je erstellt wurde.