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Wenn ein Mitarbeiter einen Prozess umgeht, ist die Standardreaktion in den meisten Unternehmen eine Ermahnung, vielleicht eine Schulung, und die Auffo

Wenn ein Mitarbeiter einen Prozess umgeht, ist die Standardreaktion in den meisten Unternehmen eine Ermahnung, vielleicht eine Schulung, und die Auffo
Wenn ein Mitarbeiter einen Prozess umgeht, ist die Standardreaktion in den meisten Unternehmen eine Ermahnung, vielleicht eine Schulung, und die Aufforderung, es beim nächsten Mal anders zu machen. Was dabei nicht gefragt wird: Warum war der Umweg überhaupt nötig? Menschen kommen nicht zur Arbeit, um Prozesse zu sabotieren. Sie kommen, um Dinge erledigt zu bekommen. Wenn der offizielle Weg dafür zu langsam, zu umständlich oder schlicht nicht auf die Realität des Arbeitsalltags zugeschnitten ist, erfinden sie einen besseren. Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Pragmatismus. Der Workaround entsteht nicht trotz des Systems, sondern wegen ihm. Das ist kein Disziplinproblem. Das ist ein Designproblem. Und wer es als Disziplinproblem behandelt, löst nichts, sondern verschiebt es nur unter die Oberfläche, wo es unsichtbarer und damit gefährlicher wird. Deming hatte recht: 94 Prozent der Probleme liegen im System, nicht im Menschen. Ein Workaround ist in diesem Sinne kein Versagen eines Mitarbeiters, sondern ein Datenpunkt, der zeigt, wo das System an der Realität vorbeikonstruiert wurde. Und damit ist er wertvoller als jedes Audit-Ergebnis, das nur prüft, ob die Dokumentation stimmt, nicht ob die dokumentierten Prozesse tatsächlich funktionieren. Was das für Qualitätsmanagement konkret bedeutet: Nicht nur fragen, ob der Prozess eingehalten wurde, sondern warum er nicht eingehalten werden konnte. Nicht die Abweichung verwalten, sondern verstehen, was sie über den Prozess selbst aussagt. Wer systematisch schaut, wo im Betrieb Menschen täglich kleine Umwege nehmen, findet meistens keine Faulen, sondern Leute mit viel Praxiserfahrung und einem stillen Protest gegen eine Konstruktion, die an ihrem Arbeitsalltag vorbeizielt. Workarounds sind keine Schwachstellen im System. Sie sind der Blueprint für ein besseres.
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