Wenn Sie morgen nicht mehr da wären – wer hätte Zugriff auf Ihre E-Mails, Ihre Cloud-Speicher, Ihre Social-Media-Konten, Ihr Online-Banking?
Wenn Sie morgen nicht mehr da wären – wer hätte Zugriff auf Ihre E-Mails, Ihre Cloud-Speicher, Ihre Social-Media-Konten, Ihr Online-Banking?
Die ehrliche Antwort in den meisten Fällen: niemand. Nicht weil es niemanden gäbe, der sich darum kümmern sollte – sondern weil niemand die Zugangsdaten hat, niemand weiß welche Konten überhaupt existieren, und die Anbieter selbst rechtlich oft nicht einfach Zugang gewähren, nur weil jemand verstorben ist.
Das digitale Erbe ist eine der am stärksten unterschätzten Lücken in der privaten Vorsorge. Während Testamente, Immobilien und Bankkonten meistens irgendwo dokumentiert sind, existiert das digitale Leben eines Menschen heute fast vollständig unsichtbar für alle anderen. E-Mail-Postfächer mit Jahrzehnten an Korrespondenz. Cloud-Speicher mit Fotos, Dokumenten, geschäftlichen Unterlagen. Sozialen Medien-Profile, die nach dem Tod oft einfach weiterlaufen – gespenstische digitale Spuren, die niemand löschen oder verwalten kann. Abonnements, die monatlich weiter abgebucht werden, weil niemand weiß dass sie existieren. Domains und Webseiten, die irgendwann ungenutzt ablaufen, weil keiner Zugriff auf die Verwaltung hat.
Rechtlich ist die Lage komplizierter, als die meisten denken. Digitale Inhalte sind grundsätzlich vererbbar – der Bundesgerichtshof hat das in einem vielbeachteten Urteil bereits für Social-Media-Konten bestätigt. Das Problem liegt nicht im Recht selbst, sondern in der praktischen Durchsetzung. Ohne Zugangsdaten oder eine klare Vollmacht müssen Erben oft mühsam nachweisen, dass sie berechtigt sind, und selbst dann reagieren manche Anbieter zäh, langsam oder verweigern den Zugang ganz, bis ein Erbschein vorliegt – was Wochen oder Monate dauern kann.
Was tatsächlich hilft, ist erstaunlich simpel: eine aktuelle Übersicht aller relevanten digitalen Konten – nicht die Passwörter selbst im Klartext irgendwo offen liegend, sondern ein sicherer, verschlüsselter Zugang zu einem Passwort-Manager, dessen Master-Zugang im Notfall bekannt ist. Eine klare Anweisung, was mit welchem Konto passieren soll – löschen, archivieren, einer bestimmten Person übergeben. Und im Idealfall eine entsprechende Regelung in der Vorsorgevollmacht oder im Testament, die digitale Vermögenswerte explizit einschließt, nicht nur implizit mitgemeint.
Die meisten Menschen haben ein digitales Leben aufgebaut, das umfangreicher ist als ihr physisches Vermögen. Und fast niemand hat dafür eine Struktur, die im Ernstfall funktioniert. Das ist keine Frage des Alters oder der Technikaffinität. Es ist eine Frage, ob man sich einmal die Zeit genommen hat, Ordnung in etwas zu bringen, das im Alltag unsichtbar bleibt – bis es plötzlich sehr sichtbar fehlt.
Wenn Sie wissen wollen, wie Sie Ihr digitales Erbe strukturiert regeln – schreib mir eine DM.