Zum Inhalt springen
← Alle Artikel2 Min. Lesezeit

Wenn Unternehmen in einer schwierigen Phase stecken – eine Umstrukturierung steht an, ein wichtiger Kunde ist weggebrochen, Entlassungen sind nicht au

Wenn Unternehmen in einer schwierigen Phase stecken – eine Umstrukturierung steht an, ein wichtiger Kunde ist weggebrochen, Entlassungen sind nicht au
Wenn Unternehmen in einer schwierigen Phase stecken – eine Umstrukturierung steht an, ein wichtiger Kunde ist weggebrochen, Entlassungen sind nicht ausgeschlossen – läuft in den meisten Führungsetagen derselbe Reflex ab: Erst wenn alles geklärt ist, kommunizieren wir. Wenn wir alle Antworten haben, informieren wir das Team. Das ist verständlich. Und es ist fast immer falsch. Was in dieser Wartephase passiert, ist nicht Stille. Es ist das Gegenteil. Mitarbeiter merken, dass etwas nicht stimmt – an veränderten Meetings, an gedämpften Gesprächen, an der Art, wie Führungskräfte plötzlich weniger reden. Menschen sind gut darin, Atmosphären zu lesen, auch wenn niemand etwas sagt. Was sie dann tun, ist das Einzige, was ihnen bleibt: spekulieren. Und Spekulationen in unsicheren Zeiten sind fast immer pessimistischer als die Realität. Das Vertrauen, das in diesen Wochen verloren geht, ist oft schwerer zurückzugewinnen als das Problem, das die Führung eigentlich lösen wollte. Radikale Transparenz bedeutet nicht, alles zu wissen und alles zu teilen. Es bedeutet, auch dann zu kommunizieren, wenn man noch nicht alle Antworten hat. Das klingt kontraintuitiv, weil die meisten Führungskräfte glauben, Unsicherheit zuzugeben schwäche ihre Position. Tatsächlich ist es umgekehrt. Ein Satz wie "Wir stehen vor einer schwierigen Entscheidung, ich kann noch nicht sagen wie sie aussieht, aber ich werde euch informieren sobald ich es weiß" ist ehrlicher, respektvoller und vertrauensstärkender als wochenlange Stille gefolgt von einer fertigen Entscheidung, die niemand kommen sah. Was Teams in unsicheren Phasen brauchen, ist nicht Sicherheit – die kann keine Führungskraft immer liefern. Was sie brauchen, ist das Gefühl, dass jemand ehrlich mit ihnen umgeht. Dass sie nicht die Letzten sind, die etwas erfahren. Dass ihre Führungskraft nicht wartet, bis alles perfekt formuliert ist, sondern mit ihnen denkt statt über sie hinweg. Das setzt voraus, dass Führungskräfte bereit sind, Unsicherheit laut auszusprechen. Das ist unbequem. Es ist aber der Unterschied zwischen einem Team, das eine Krise gemeinsam trägt, und einem, das sie mit dem Gefühl erlebt, nicht eingeweiht worden zu sein.
← Alle Artikel