Wer als Führungskraft Schweigen als Zustimmung interpretiert trifft Entscheidungen auf einer Grundlage die nicht vollständig ist.
Schweigen in Meetings ist keine Zustimmung.
Das ist eine Beobachtung die ich in fast jedem Unternehmen mache das ich von innen kennenlerne. Jemand stellt einen Plan vor. Niemand widerspricht. Der Geschäftsführer interpretiert das als Konsens. Zwei Wochen später stellt sich heraus dass drei Personen im Raum erhebliche Bedenken hatten – und sie für sich behalten haben.
Nicht aus Gleichgültigkeit. Aus Erfahrung. Weil Widerspruch in diesem Unternehmen meistens als Problem verstanden wird und nicht als Beitrag. Weil die Person die zuletzt Bedenken geäußert hat damit mehr Arbeit bekommen hat als die die geschwiegen haben. Weil Schweigen bequemer ist als Klarheit – für beide Seiten.
Das ist kein Kommunikationsproblem. Es ist ein Strukturproblem. Und es hat direkte Konsequenzen für die Resilienz eines Unternehmens.
Wer als Führungskraft Schweigen als Zustimmung interpretiert trifft Entscheidungen auf einer Grundlage die nicht vollständig ist. Er weiß nicht was er nicht weiß – und das ist die gefährlichste Form von Nicht-Wissen. Wer hingegen eine Kultur aufbaut in der Bedenken geäußert werden dürfen ohne dass der Überbringer die Konsequenzen trägt bekommt bessere Informationen. Nicht angenehmere. Bessere.
Das Gegenteil von Schweigen im Meeting ist nicht lautes Widersprechen. Es ist eine klare Erwartung dass Bedenken geäußert werden – und eine Führungskultur die das nicht nur duldet sondern einfordert. Wer nicht fragt wer Bedenken hat bekommt die Antwort auf eine Frage die er nicht gestellt hat: Scheinbaren Konsens.
Der Satz den ich in solchen Gesprächen am häufigsten höre lautet: Das hätte ich gerne früher gewusst. Der Satz den ich danach stelle lautet: Warum hat es niemand früher gesagt?
Darauf ein Käffchen.
Wann haben Sie zuletzt in einem Meeting explizit nach Bedenken gefragt – und eine ehrliche Antwort bekommen?