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"Wir versuchen es noch ein paar Monate."

"Wir versuchen es noch ein paar Monate."
"Wir versuchen es noch ein paar Monate."
Dieser Satz klingt nach Haltung. Nach Durchhaltewillen, nach Verantwortung für Mitarbeiter und Kunden, nach einem Unternehmer, der nicht gleich aufgibt. Genau deshalb wird er so selten hinterfragt, obwohl er in vielen Fällen nichts anderes ist als eine Entscheidung ohne Grundlage.
Denn "noch ein paar Monate" ist keine Strategie, solange niemand geprüft hat, ob das Unternehmen noch zahlungsfähig ist und wie die nächsten Monate finanziell aussehen. Optimismus ist eine hervorragende Eigenschaft für Unternehmer. Als Prüfverfahren für Insolvenzreife ist er ungeeignet.
Dazu kommt ein Missverständnis, das mir regelmäßig begegnet: Die drei Wochen für den Insolvenzantrag bei Zahlungsunfähigkeit, sechs Wochen bei Überschuldung, sind Höchstfristen und keine Schonfrist. Der Antrag ist ohne schuldhaftes Zögern zu stellen, und das kann deutlich früher sein. Wer bei einer GmbH, UG oder AG diese Grenze falsch einschätzt, riskiert, dass Zahlungen nach Eintritt der Insolvenzreife persönlich zurückgefordert werden. Wer bewusst verschleppt, bewegt sich außerdem im strafrechtlichen Bereich.
Der eigentliche Punkt ist deshalb nicht, dass ein Unternehmer es noch versucht. Der Punkt ist, dass er es versucht, ohne vorher hingeschaut zu haben. Wer geprüft hat und belegen kann, auf welcher Grundlage er weitermacht, steht in einer völlig anderen Position als jemand, der ein gutes Gefühl hatte.
Und hier liegt die gute Nachricht. Eine ehrliche Prüfung kostet einen Nachmittag. Sie zeigt, ob das Geschäftsmodell trägt, und wenn nicht, welche Wege noch offen sind: operative Maßnahmen, Gespräche mit Finanzierern, ein Restrukturierungsrahmen nach StaRUG. Je früher geprüft wird, desto mehr Spielraum bleibt, und desto mehr davon entscheiden Sie selbst.
Die rechtliche Einordnung im Einzelfall gehört in die Hand eines Fachanwalts für Insolvenzrecht. Die Frage, ob überhaupt geprüft wird, gehört in Ihre.
Auf welcher Grundlage entscheiden Sie gerade, dass es weitergeht? Und könnten Sie diese Grundlage morgen Ihrer Bank oder Ihrem Steuerberater zeigen?
Wenn Sie mehr zum Thema Unternehmer-Resilienz wissen möchten – kurze DM genügt.
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